Kategorie: Europa

Griechenland: Im Schatten des Götterberges

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Unweit der Hafenstadt Thessaloniki liegt die einstige Hauptstadt des antiken Makedonien. Heute ist Pella ein winziges Dorf. Doch Philipp II., der Vater Alexanders, baute sie zur Metropole aus. „Die Agora war mit 70 000 Quadratmetern Fläche die größte der antiken Welt“, erklärt der Archäologe Nikolaous Pappas stolz. Pella war eine reiche Stadt. Auch Privathäuser hatten palastartige Umfänge von bis zu 3000 Quadratmetern. Von den Ruinen ist außer einigen prächtigen Mosaiken in den Grundmauern wenig erhalten. Aber im 2009 großzügig dimensionierten neuen Museum steht ein Wandfragment mit imitiertem Himmel. Und in den thematisch sortierten Räumen zeigt Pappas einzigartige Kleinode. Dabei fallen zuerst die goldenen Lorbeerkränze aus einigen Gräbern ins Auge. Interessanter aber ist die Abdruckform für einen Becher mit Abbildungen sieben verschiedener Liebesstellungen. Kurator Pappas ist sicher: „Langeweile hatten die nicht“.

Während griechische Touristen vor allem die Stadt Edessa auf einem Felssporn mit zwei mächtigen Wasserfällen ansteuern, zieht es geschichtlich Interessierte in die Provinzstadt Veria. Vor dem Aufstieg Pellas diente sie unter dem Namen Aigai als Hauptstadt der Makedonen. Doch im modernen Stadtbild aus den 60er-Jahren stößt man allerorten nur auf 48 byzantinische Kirchen. Schließlich soll 50 n. Chr. hier schon der Apostel Paulus auf drei Steinstufen gepredigt und viel Zustimmung erfahren haben. Neben biblischen Reisenden und Bewunderern der intensiven Pfirsichblüte in der Küstenebene unterhalb der Stadt hofft Tourismus-Manager Ioanis Valachis nun auf Gäste aus Vietnam. Wie er herausfand, soll Hoh Chi Minh 1916/17 18 Monate als Steigbügelhalter eines Regimentsarztes in der Stadt verbracht haben.