Kategorie: Grönland, Europa

Grönland: Ein Kölsch auf Uunartoq

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Wer weiter will in die eigentlichen Orte an der Küste, der muss zu Fuß gehen. Sechs bis sieben Tagesmärsche sind es bis Narsaq. Ein paar Schafsfarmen dienen unterwegs als Unterkunft. Der Franzose Jacky Simoud bringt Touristen und Einwohner dagegen mit seinen wendigen Küstenbooten weiter. Schon seit Jahren ist der drahtige Bretone in der Region aktiv und hat sich erst vor zwei Monaten neue Schiffe für sechs oder zwölf Passagiere angeschafft. Mit 28 Knoten heizt sein Skipper Inuk über den türkisblauen Fjord. Rechts zieht das Schafzüchterdorf Qassiarsuk vorbei, wo zur Jahrtausendwende ein Langhaus und eine winzige Kirche aus Torfsoden nachempfunden wurden. Auf den grünen Wiesen am geschützten Ende des Fjords hatte Erik der Rote, wegen Mordes aus Island verbannt, gut 1000 Jahre zuvor ein neues Leben begonnen. Seine Nachfahren blieben 400 Jahre.

Wasserfälle rauschen vorüber und Inuk dreht zur Freude der Besucher kapriziöse Runden um erste Eisschollen. Das Frühjahr sei ungewöhnlich kühl gewesen, erzählt er. Viel Eis trieb von der weitgehend unbewohnten Ostküste um das gefürchtete Kap Farvel herum in den Süden. Darunter sind kapitale Eisberge in Hochhaus-Format. Mit ihren Torbögen, Zinnen und Spitzen dümpeln sie wie tiefgekühlte Hüpfburgen oft wochenlang im Wasser, bis wieder ein Stück abbricht und der Eisberg mit gefährlichem Poltern auf der Suche nach einem neuen Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht kracht.