Kategorie: Grönland, Europa

Grönland: Ein Kölsch auf Uunartoq

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Ab 2004 haben ausländische Investoren in der Nähe von Nanortalik eine Goldmine betrieben. Aber die Einheimischen wollten dort nicht arbeiten. Und ausländische Arbeiter fanden die Gegend zu unwirtlich. So musste das Unternehmen 2013 wieder schließen. Die Goldbarren aus Grönland hätten inzwischen echten Sammlerwert, erzählt Niels Tækker Jepsen, der die Touristen-Info am Hafen betreibt und sich in diesem Jahr über zwei deutsche Kreuzfahrtschiffe freut. Um die Lage der Stadt richtig einzuschätzen, schickt er Besucher über einen schmalen Pfad auf den Rabenhügel hinter dem Friedhof. Aus 300 Metern Höhe wirkt Nanortalik mit seinen 1500 Einwohnern nach einer Stunde Fußmarsch wie ein Spielzeugdorf – spektakulär umzingelt von den menschenleeren Gebirgskämmen de Küste und den Weiten des Nordatlantiks.

Eine Verabredung führt weiter nordwärts nach Qaqortoq. Die Hauptstadt der Großkommune im Süden profitiert wie andere Zentren von der Landflucht aus den kleinen Siedlungen. Inzwischen leben hier 3200 Einwohner. Es gibt ein ansprechendes Vier-Sterne-Hotel hoch über dem Hafen mit gutem Steak-House, ein größeres Krankenhaus samt Rettungshubschrauber und ein Internat für höhere Klassen. Nur das thailändische Restaurant neben der alten Kirche hat nach einigen Jahren doch wieder aufgegeben.

In Qaqortoq haben Mia Simonsen-Kliemann und ihr Mann Frederick zum Kaffeemik in ihr grünes Haus am Hang eingeladen. Zwar sind Smartphones auch auf Grönland längst verbreitet. Doch die Internetnutzung ist teuer. Wichtige Ereignisse – und der Grad der Wichtigkeit kann dabei beliebig wechseln – bespricht man allgemein doch lieber gemeinsam bei starkem Kaffee und Pfannkuchen mit selbstgepflückten Blaubeeren. Mias Urgroßvater kam aus Deutschland in den Norden. Gemeinsam führen die Senioren – er war Feuerwehrmann, sie Grundschullehrerin – eine Ehe zwischen den Kulturen. Im Wohnzimmer hängen Bilder von der Silberhochzeits-Reise nach Honolulu neben Fotos der beiden Enkel. Die sind als Kajak-Champions mit der legendären Eskimo-Rolle inselweit bekannt.