Die 300 Geysire und rund 1000 von Cyanobakterien in allen Farben des Regenbogens gefärbten Fumarolen köcheln schließlich nicht von ungefähr vor sich hin. Nur auf Nachfrage zieht Rangerin Kelly ein Schaubild aus ihrem Rucksack. In Wahrheit ist das Yellowstone-Tal ein gewaltiger Vulkankrater, erklärt sie, geformt beim letzten großen Ausbruch vor 640 000 Jahren. Acht Kilometer unter unseren Füßen liegt eine gewaltige Magmakammer, 60 Kilometer lang, 40 breit, zehn Kilometer mächtig. In ruhigen Zeiten heizt sie das Grundwasser auf und erfreut damit Besucher im Sommer und Bisons und Wapiti-Hirsche im Winter. Doch vor 2,1 Millionen, 1,3 Millionen und eben vor 640 000 Jahren wurde der Magmadruck selbst für das massive Gestein der Rocky Mountains zu groß. Drei Jahre soll die Vulkanasche der Ausbrüche die Welt verfinstert haben, während ein Leichentuch aus Basalt in einem Umkreis von 250 Kilometern alles verwüstete.
„In den nächsten Jahrtausenden wird es wohl wieder losgehen“, sagt Kelly und findet das „amazing“. Seit 1995 hat sich der nördliche Kraterrand bereits gehoben, während das Becken absackte. Auch die Geysire sind aktiv wie seit Beginn der Messungen nicht. Ein Magmaschub aus dem Erdmantel sei in den Vulkan aufgestiegen, glauben Geologen vom US-Geological Survey. Damit kam es zu Rissen im Gestein. Seit 2003 ist erstmal wieder Ruhe. „It’s hot“, sagt Kelly, rückt ihren Hut zurecht, und lässt offen, ob sie den heißen Boden unter dem Holzsteg meint oder die brennende Sommersonne oder den Supervulkan. Trotzdem solle man nicht die Wanderung zu den nahen blubbernden Schlammtöpfen verpassen, die mit den verbrannten Küsten-Kiefern und Engelmann-Fichten einen pittoresken Eindruck böten. „Enjoy it“, sagt Kelly aufmunternd und schultert ihren Ranzen.