Kategorie: Europa, Niederlande, Haren

Himmelswerk von Menschenhand

Von: Martin Wein

In Haren vor den Toren der niederländischen Stadt Groningen liegt der größte chinesische Garten Europas. In seinen Mauern lässt sich prächtig über den Sinn des Mobbing grübeln.

Steinerne Löwen bewachen den Eingang zu einer privaten Utopie, als die ein Garten gilt.

Glaubt man einer Geschichte über den Poeten und Maler Liu Zhong-yuan (773 - 819 n. Chr.), so war Mobbing die tiefere Ursache dafür, dass chinesische Gärten im Land der Mitte in Mode kamen.

Folgendes wird über Liu berichtet: Er war ein weiser Mann und dem Kaiser der Tang-Dynastie stets ein wichtiger Berater. Doch es kam eine Zeit, in der ihre Meinungen über den rechten Weg in der Staatsführung auseinander gingen. Heute spräche man von „politischen Differenzen“. Der Kaiser wusste, sich zu rächen und degradierte den Getreuen zum Statthalter der allerkleinsten Provinz. Der aber zog fort und legte sich einen Garten an, den er den „Garten des Verzückten“ nannte.

Sodann schrieb der weise Mann in einem Buch: „Einige Leute wurden verrückt, weil sie mit den sozialen Verhältnissen nicht zurecht kamen. Andere wurden verrückt, weil sie an ihren politischen Idealen festhielten. Aber alle diese Menschen waren nicht wirklich verrückt, sondern nur zu aufrichtig, um sich ein leichtes Leben zu gönnen. Doch ich gehöre nicht dazu. Wo unser Reich so aufblüht und unser Kaiser so brillant ist, gibt es für mich keinen Grund, verrückt zu werden, als den, dass ich wirklich verrückt bin.“

All dies war natürlich pure Ironie, und im gebeutelten Reich entstanden mit der Zeit immer mehr Privatgärten bekannter, weiser Untertanen, in welchen jene der Welt entsagten, und die sie ebenfalls „Garten des Verrückten“ nannten.

Auf über 2300 Jahre Gartenbautradition blickt die Kulturnation China zurück. Auch im niederländischen Haren an der Peripherie von Groningen ist die philosophisch-ästhetische Vorstellung eines modellhaften Universums präsent. Im Botanischen Garten der Stadt wartet der größte chinesische Garten Europas auf Besucher: „Het Verborgen Rijk van Ming“.