Kategorie: Nordamerika, USA, Hollywood

Hinter den Kulissen des Filmgeschäftes: Immer schön auf Kollisionskurs

Von: Martin Wein

Für die einen sei es nur ein Berg, für ihn jedoch ein Goldhaufen. So ungefähr wird der Gründer der Paramount-Filmstudios, William W. Hodkinson, in einem Werbe-Dokumentarfilm zitiert. Seit 1914 sind Filme mit dem schneebedeckten Gipfel im Logo weltweit in Filmtheatern vertreten.

Rasante Action in beklemmender Atmosphäre: Im Themenpark der Universal Studios wird für die spektakuläre Show zum Science-Fiction-Klassiker „Waterworld“ mit Kevin Costner eine ganze Arena geflutet. Zwischen Explosionen, notlandenden Flugzeugen und Verfolgungsjagden auf Jetscootern bekommen Zuschauer bisweilen einen vollen Wassereimer über den Kopf gestülpt.

Paramount gehört neben 20th Century Fox, Disney und Universal zu den vier großen Studios von Hollywood. Als einziges Studio ist Paramount tatsächlich noch in Hollywood ansässig, auf einem gewaltigen Betriebsgelände, von hohen Mauern umgeben. Wer an dem Springbrunnen vorbei durch den berühmten Torbogen mit der nostalgischen schwarzen Schrift in die Filmstadt eintritt, der begreift sofort, wo die Phrase von der „Traumfabrik“ herrührt.
In 30 mehrstöckigen Hallen und einigen Außengeländen, so genannten Backlots, wird fast rund um die Uhr produziert. Schon rein äußerlich hat das nichts mit Kultur zu tun. Hier wird Geld verdient und zwar viel.

Von großem Reichtum ist Eric weit entfernt. Seit vier Monaten arbeitet der 22-Jährige als Gästeführer und hat schon einige Kontakte zu Produktionscrews geknüpft. 2500 Menschen arbeiten ständig bei Paramount, während großer Spielfilm-Projekte wie dem Blockbuster „Titanic“ können es bis zu 6000 sein.

Eine Welt voller Filme - Universal City ist ein ganzer Stadtteil von Greater Los Angeles in den Santa-Monica-Mountains.Die meisten Aufträge sind jedoch Gebrauchsware, Serien wie „Star Trek“ oder Shows, die wie am Fließband hergestellt werden. Dazu wird jeweils eine Produktionshalle benötigt, in die eine Sound Stage eingebaut ist, eine zu 90 Prozent schalldichte Bühne. Die eine Hälfte der Halle nehmen Zuschauerränge ein, in der anderen sind Kulissen als Guckkastenbühnen aufgebaut. Wie im Theater stehen die Kameras außerhalb des Geschehens. Außendrehs an anderen Schauplätzen finden nur vereinzelt statt; schließlich sollen Kosten und Aufwand minimal bleiben.

„Die Produktion läuft wochenweise“, erklärt Eric. Montags gehen Schauspieler und Regie die Dialoge durch, bis Donnerstags werden die genauen Standorte der Akteure und der Kameras abgestimmt, freitags wird vor Publikum live gedreht. Zwei Stunden dauert die Aufnahmen einer 30-Minuten-Show bei einem eingespielten Team. Erwünschte Publikumsreaktionen werden über Richtmikrofone eingefangen, „den Rest blenden wir einfach aus“, so Eric. Zwei Wochen später sind Schnitt und Nacharbeitung  erledigt. Die Folge kann gesendet werden. Damit das System reibungslos funktioniert, ist von der Kinderkrippe bis zur Krankenstation alles organisiert.
„Machen Sie sich dennoch nichts vor“, sagt Eric, „außer dem ziemlich guten Essen ist die Arbeit vor allem anstrengend“. Oft dauere der Arbeitstag 12 bis 16 Stunden und das sechs Tage pro Woche fern der Familie. Das große Geld verdienen nur wenige. Eric zeigt auf die winzigen Wohnwagen der Marke „Star Wagon“, die vor Halle 21 stehen. Das sind die Garderoben für Gastschauspieler, ein Luxus wie bei einem heruntergekommenen Familienzirkus.