Kategorie: Oman, Asien

Hiobs Botschaft

Von: Martin Wein

Morgenländische Ansichten beim Grabe des Propheten

Eine Moschee reckt sich im Hügelland des Dhofar neben Hiobs Grab aus den Bougainvillea-Büschen.

Hiob kennt jeder aus den Nachrichten. Bei Katastrophen, Unglücken und Schicksalsschlägen wird der fromme Mann aus dem Alten Testament regelmäßig bemüht. Seine Botschaften sind Synonym des Schrecklichen. Was die Alltagssprache vergessen lässt: Hiob aus dem Lande Uz war nicht Überbringer, sondern Empfänger der schlechten Kunde. Der Teufel forderte ihn in seinem Glauben heraus frei nach dem Journalisten-Credo „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Hiob aber ließ sich nicht abbringen von seinem Glauben, auch als sein Haus über den zehn Kindern zusammenfiel und Geschwüre seinen Körper bedeckten. Da segnete ihn Gott mit neuen Kindern und Reichtum bis an sein Ende.

Keine Frage: Hiob war ein Ehrenmann. Sein Leben sei ein Vorbild an Gottvertrauen, empfahl schon Jakobus den frühen Christen in seinem Brief im Neuen Testament. Wenn Juden, Christen und Muslime sich auf etwas einigen können, dann dass Hiob ein Prophet war. Und so machen sich seit einigen Jahren Menschen aller drei Religionen auf den weiten Weg zu seinem Grab.

Zwei Wege führen dorthin. Beide beginnen am Roten Meer, in Muscat, der verschlafenen Hauptstadt des Wüstensultanats Oman. Der eine führt auf einer von der deutschen STRABAG kürzlich gebauten Asphaltstraße 1000 Kilometer schnurgerade durchs Nichts. Eine endlose Steinwüste erstreckt sich flach wie ein Spiegel zwischen dem Hajar-Gebirge ganz im Norden und dem tropischen Hügelland im Süden. Hier ist die Erde wüst und leer wie Gott sie der Bibel nach schuf. ein einziges Trümmerfeld ohne Referenzpunkt. Zeit und Raum verlieren ihre Bedeutung dort und man rechnet in Tankstellen bis zum Ziel. Nur mit scheppernder arabischer Musik ist diese Entziehungskur für die Sinne durch flirrende Hitze und wabernden Staub wachen Geistes zu überstehen.

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