Wir wählen den anderen Weg, den beschwerlichen. Welch ein Kontrast tut sich da auf. Muscat ist wahrscheinlich die heißeste Hauptstadt der Welt mit Durchschnittswerten um die 40 Grad. Kein Wunder, dass sich kaum jemand auf die Straße traut. So gewann die Stadt den UNO-Preis für die sauberste Metropole des Planeten. Nachdem jedoch die künstlich bewässerten Kreisverkehre von Muscat mit den lustig springenden Antilopen aus Plastik zurückgeblieben sind, umfängt uns die Einsamkeit. Irgendwann biegen wir von der heißen Teerstraße ab, folgen noch eine Weile einer Telegrafenleitung. Dann noch ein Stück auf einer alten Militärpiste, an deren Rand bisweilen ein Überholverbotsschild in vollständiger Einsamkeit als Witz ohne Worte auftaucht. Schließlich sind wir mitten drin in der Rub al Khali, dem „Leeren Viertel“. Als gewaltiger Faltenteppich aus Sand haben Wind und Erosion an den unsichtbaren Grenzen Saudi-Arabiens, des Jemen und des Oman das größte Dünenmeer der Welt aufgetürmt.
Mit 280 PS wühlen sich die 6-Zylinder-Motoren der Landcruiser durch den weichen Sand der Dünen. Nur wer Vollgas gibt und während der Fahrt vom zweiten in den ersten Gang schaltet, der kann die Anstiege schaffen. Mit einem Satz fällt der Wagen über die Dünenkuppe und hält dann in einer Vollbremsung. Entsetzt blickt man in die Tiefe, ob sich ja kein Treibsand vor dem Wagen auftut. Dann geht es im Schritttempo die Düne hinab. Abschleppseil und Schaufel sind hier draußen wichtiges Handwerkszeug. Der Lohn der Mühe ist ein einsames Dünental so ganz für sich allein. Mitfahrer Gerhard aus Hamburg hat mit seiner Tasche gleich eins für sich „reserviert“. Doch hier draußen herrscht an Platz kein Mangel. So abseits steht schließlich mein Zelt, dass ich es in mondloser Nacht kurz nach Ende des Fastenmonats Ramadan vom Lagerfeuer aus kaum finde. Da wird klar, warum Jesus oder Mohammed in die Wüste zogen. Hier ist die Welt so frei von jeder äußeren Ablenkung, dass die Gedanken frei schweifen.