Auch die drei Weisen aus dem Lukas-Evangelium zogen durch diese Gegend. Auf der legendären Weihrauchstraße brachten sie die Wohlgerüche des Morgenlandes, Weihrauch und Myrrhe, nach Palästina. Die treiben noch heute durch die Straßen Salalahs im Süden des Landes. Nach drei Tagen Wüste fahren wir dort ein. Vor den Toren der Stadt liegt übrigens ein hochmodernes Tiefwasser-Containertermial der neuesten Generation. Der Sommermonsun bringt hier zuverlässig Regen und Fruchtbarkeit. Aus ganz Arabien strömen deshalb die Familien im Juni und Juli hierher, um im Grünen zu grillen, auch wenn es gießt wie aus Eimern. Kokospalmen säumen die Straßen, Bananenstauden, Rosen und Sandelholz gedeihen hier und an wenigen Stellen recken die letzten Weihrauchbäume ihre knorrigen Äste gen Himmel. Das alles destillieren Hiobs gesegnete Erben zu schweren Düften, die man sich nach Wunsch in Glasflakons mischen lassen kann. Die Kreation „Amouage“ gilt als teuerster Duft der Welt, der Flakon zu 400 Dollar. Eine Quaste an den traditionellen weißen Gewändern tunken die Omanis in die persönliche Mischung ein, um dem Staub der Wüste mit einem frischen Duft zu trotzen.
So gewappnet beginnt der letzte Teil der Reise, ein kurviger Anstieg in das Hügelland des Dhofar. Bis vor 25 Jahren herrschte hier Bürgerkrieg. Nun kann man Hiobs Grab in dem früher gänzlich verschlossenen Land ansteuern. Eine Moschee reckt sich nach 30 Kilometern aus den Bougainvillea-Büschen. Barfuß tritt man daneben ein in einen schlichten Raum aus Betonwänden. Ein alter Mann bröckelt Weihrauchharz in die glimmende Kohle. Unter einem grünen Tuch ist das einfache Grab Hiobs verborgen. Prunkvolle Grabstätten kennen Muslime nicht. Vor der Tür hebt der Alte vom Berge dafür ein Eisengitter aus dem Boden. Darunter hat sich Satan mit einem Fußabdruck verewigt, als Beweis für die Echtheit des Ortes. Doch Glaube braucht keine Beweise, nurVertrauen und Ausdauer. Das ist Hiobs Botschaft.