Obwohl diese Beschreibung im Kern nicht fern von jeder Realität ist, kann sie ein Land wie Mexiko nur ungenügend beschreiben. Ein Land, das über raue Küsten verfügt, über riesige Wüsten- und Steppengebiete, über Hochgebirge und Regenwald. Ein Land, in dem heute drei Kulturen existieren, die der Indigenas, der Spanier und der Mexikaner, wo es von bettelarm bis steinreich alle Schattierungen gibt, von rückständig bis hochmodern.
In Mexiko ist die lange vorkolumbische Vergangenheit allseits präsent. Sei es in den Resten der Nahuatl-Sprache, die sich in vielen Ortsnamen erhalten haben. Sei es in alten Verarbeitungstechniken oder in vielen gewaltigen Relikten der mesoamerikanischen Völker. Dem erstaunten Besucher präsentieren sich die Indigenas keineswegs als einheitliche Volksgruppe. Vielmehr war Mexiko wie Europa ein Flickenteppich zahlreicher befreundeter oder verfeindeter Kulturen. Olmeken, Tolteken, Zapoteken, Mayas, Azteken und verschiedene andere Völker belebten den Raum zwischen dem heutigen Mexiko City im Norden und Honduras im Süden. So unterschiedlich wie die Kulturen sind auch die Ruinenstätten, die heute noch von ihrer einstigen Größe zeugen.
Teotihuacan, der Platz, wo Menschen zu Göttern werden, liegt in einer kargen Hochebene in über 2000 Metern Höhe. Die riesige, 63 Meter hohe Sonnen- und die kleine Mondpyramide wirken geradezu bedrohlich auf den Besucher, und mancher musste den steilen Aufstieg in der brennenden Sonne wegen Kreislaufproblemen vorzeitig abbrechen.
Ganz anders: Monte Alban, das spirituelle Zentrum der Zapoteken im Hochtal von Oaxaca. Auf einem 300 Meter hohen Plateau sind Tempel und Plattformen durch unterirdische Gänge so geschickt verbunden, dass die Priester für das gemeine Volk religiöse Handlungen mit einem übersinnlichen Spektakel zelebrieren konnten. Mit unglaublichem Pomp wurden hier auch die Oberen des Volkes in unterirdischen Gräbern beigesetzt. Der Goldschatz aus dem unversehrt gefundenen Grab 104 füllt ein ganzes Museum.