Den geheimnisvollen Charakter hat sich Palenque im Hochland von Chiapas schon durch seine landschaftliche Lage bewahrt. Noch immer sind große Teile der Anlage von undurchdringlichem Regenwald überwuchert. Und niemand weiß, welche Schätze in den kommenden Jahren noch geborgen werden können.
Im Norden von Yucatàn liegt Chichèn Itza aus der dekadenten Spätphase der Maykultur. Und die Stadtanlage von Tulum, auf Klippen direkt über der türkisblauen Karibik gelegen, war zum Zeitpunkt der spanischen Invasion im 16. Jahrhundert noch besiedelt.
Dass die Völker trotz ihrer Eigenständigkeit zu einem Kulturkreis gehörten, beweisen die verehrten Götter. Da ist Chac, der Regengott, der im wasserarmen Yucatàn, aber auch im steppenhaften Hochland über Wohlstand oder Not entschied.
Mit wiederkehrenden Reliefs von Chac-Masken, die man an ihrer ausladenden Rüsselnase erkennt, wurde dem Gott gehuldigt. Und so findet sich auch Quetzalcoatl in der Darstellung der gefiederten Schlange wieder. Quetalcoatl war der sagenhafte Herrscher von Tula, der mit seinem Gefolge fliehen musste und angeblich Chichèn Itza gründete. Auf seinem Weg wurde er zum Gott. Der Mythos erzählte, irgendwann werde der weiße bärtige Gottkönig zurückkehren. Die Azteken glaubten, in Kolumbus eben jenen Gott zu erkennen, zumal seine Auskunft mit der geweissagten Wiederkehr zusammenfiel.
Das religiöse Ballspiel, Vorläufer aller modernen Mannschaftsspiele, gibt noch heute Rätsel auf. Mit den Oberarmen, den Knien und Hüften musste der massive Kautschukball durch einen sieben Meter hohen Ring geschleudert werden. In Chichèn Itza ist ein solcher Ballspielplatz ausgezeichnet erhalten. Nach diesem oft tagelangen Spiel wurden Menschenopfer dargebracht, wobei noch nicht geklärt ist, ob Sieger oder Besiegte geopfert wurden. Dem lebendigen Körper wurde das Herz entnommen und verbrannt. Nur durch dieses grausame Ritual würde die Welt sich weiter drehen, glaubten die Maya.