Kategorie: Europa, Großbritannien, Schottland, Shetland Inseln

Großbritannien: Inseln zwischen den Meeren

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Die Shetlands liegen noch immer fernab der Touristenströme

Die Ruine von Scalloway Castle ist alles, was vom einstigen Regierungssitz der Inselgruppe geblieben ist.

Wer den Archipel der Shetland-Inseln im hohen Norden Großbritannien besucht, ist in der Regel Individualist. Nur wenige Reiseveranstalter führen den Vorposten Europas zwischen Nordsee und Atlantik in ihrem Programm. Und dennoch haben die Inseln  mit ihrer wilden Landschaft und langen Geschichte für Natur- und Kulturinteressierte viel zu bieten. Von der kleinen Inselhauptstadt Lerwick lassen sich viele Tagesausflüge organisieren. Nicht versäumen sollte man eine Bootsfahrt zur Robbenkolonie auf Green Holm sowie zur unter Schutz gestellten Vogelinsel Noss. Vom Schiff lassen sich unterhalb und in den steilen Klippen hunderttausende Trottellummen, Eissturmvögel, Tordalks und die majestätischen Basstölpel in kaum fünf Metern Entfernung beobachten. Die Charaktervögel des Nordens, die Papageitaucher, findet man fast immer im Süden der Hauptinsel am Sunburgh-Head. Nur wenig weiter liegt der Jarlshof, mit seinen eigenartigen Radhäusern aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. eine der bedeutendsten vorgeschichtlichen Ausgrabungsstätten Nordeuropas. Die Anlage illustriert kontinuierlich die Geschichte von der Bronzezeit bis zu den Steward-Earls im 16. Jahrhundert. Ein bronzezeitlicher Wehrturm ist auf der kleinen Insel Moussa fast vollständig erhalten geblieben und kann mit einem Fischerboot im Sommer täglich besucht werden.

Auf der Halbinsel Hermaness, im Norden der Insel Unst, entfaltet das Meer an hohen Klippen seine Kraft.Für den Aktiv-Urlauber ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten. Unvergesslich bleiben Küstenwanderungen  an der bizarren Westküste bei Eshaness mit dem gewaltigen Felsentor Dore Holm oder im einsamen Naturschutzgebiet Hermaness auf der Insel Unst mit Blick auf den Leuchtturm von Muckle Flugga, den nördlichsten Punkt der britischen Inseln. Vögel und Meeressäuger kann man mit Fernglas (10fach) und Fotoapparat (ab 200, besser 400 mm) praktisch auf Schritt und Tritt beobachten. Mit Pkw und dem gut ausgebauten, preisgünstigen Fährsystem lassen sich die Inseln bequem erkunden. Möglich sind auch Trips zum Hochseeangeln, Tauchen für Fortgeschrittene, Ausritte auf den legendären Shetlandponies, denen man am ehesten auf Unst begegnet, oder Flüge zu abgelegenen Inseln wie Foula oder Fair Isle. Lerwick bietet die Infrastruktur für jeden Urlaubs-Geschmack, gute bis sehr gute Hotels, Privatpensionen und einen neuen, gepflegten Campingplatz. Wer in der Hauptsaison von Juni bis August reist, sollte allerdings die geringen Kapazitäten beachten. Bei schlechtem Wetter empfiehlt sich ein Besuch im erst 1995 eröffneten großzügigen Spaßbad  am Clickhimin Loch oder im Shetland-Museum, wo die Zeugnisse der langen Inselgeschichte liebevoll zusammengestellt wurden.