Kategorie: Asien, Iran

Iran - Mischmaschine im Schleudergang

 

Seit jeher verbindet der Iran als kulturelle Mischmaschine Europa und den Fernen Osten. Derzeit aber ist – wie schon so oft – Sand im Getriebe. Verdächtigungen und Mißverständnisse schütteln die Schleudertrommel in ihren Jahrtausende alten Angeln.

Die Freitagsmoschee von Shiraz.

Es muß ein wirklich märchenhafter Anblick gewesen sein, wenn sich vor dem antiken Reisenden aus der staubigen persischen Steppe die Palast-Terrasse von Persepolis hervorhob: 15 Meter hoch, 300 Meter breit, 455 Meter lang, darauf die prächtige Empfangshalle mit ihren fast 20 Meter hohen, schlanken Säulen, den wuchtigen Stierkopfkapitellen und dem bunt geschmückten Balkendach aus Zedernholz. Ein verschwenderischer Farbenrausch aus Stein, eine Prunk-Orgie unvergleichlichen Ausmaßes, eine Huldigung für den König der Könige, Herrscher über ein Weltreich vom Indus bis nach Ägypten, Stellvertreter des einzigen Gottes Ahuramazda auf Erden. In den detailreichen Reliefs am Aufgang zur Empfangshalle treffen Besucher noch heute auf die Völker des alten Orients, Meder, Syrer, Parther, Skythen, Elamiter und zahlreiche mehr, die ehrerbietig und würdevoll ihre Tributgaben dem Herrscher zu Füßen legen.

Als steinerne Verherrlichung königlicher Macht, ließen Dareios und Xerxes den Treppenaufgang zur Apadana (Empfangshalle) in Persepolis gestalten. Die wunderbaren Reliefs aber halten dem sauren Regen nicht mehr stand.Der große Alexander muss Persepolis, wie die Griechen dieses Zentrum antiker Macht nannten, als monumentale Provokation empfunden haben, als er mit seinem Heer die gewaltige Palastanlage 331 v. Chr. eroberte. 50 Jahre vor der Athener Akropolis gebaut, war sie Sinnbild einer orientalischen Despotie, Verherrlichung nicht der Götter, sondern der Könige Dareios und Xerxes. Die als Barbaren stigmatisierten Perser präsentierten sich in geradezu barockem Pomp, aber auch als schwerfällige Großmacht, die der modernen Kriegstechnik und der Verantwortlichkeit des Einzelnen im Griechenstaat nichts entgegenzusetzen hatte. Alexander der Hellene, der sonst die Fahne der Kultur schwenkte, ließ brandschatzen. Persepolis ging in Flammen auf. Ein zufälliges Unglück bei der Siegesfeier der Griechen, wie es deren Geschichtsschreiber kolportierten, hätte diese Anlage nicht zerstören können.