Kategorie: Europa

Irland: Gartenträume im Osten

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Alex Lassenger hat ein paar Kilometer weiter ganz andere Verantwortung geschultert. Der 33 Jahre alte Familienerbe ist seit 2017 für sechs Gärten auf 190 000 Quadratmetern im Powerscourt Estate verantwortlich. National Geographic hat das Anwesen, das vor allem während der großen Hungersnot in den 1840ern gestaltet wurde und damals 100 Menschen ein Dutzend Jahre lang Arbeit bot, kürzlich zum drittschönsten formalen Garten der Welt gekürt – nach Versailles und Kew Gardens bei London. Tatsächlich ist der Blick von der Freitreppe des Herrenhauses auf den Tritonsee und den 500 Meter hochen Sugar Loaf Mountain spektakulär. Mächtige Küstenmammutbäume aus Nordamerika, einen großen Seerosenteich, die längste Staudenrabatte in Irland und einen Aussichtsturm in Form eines Pfefferstreuers gibt es zu entdecken. „Als Kinder haben wir uns an einem Seil dort hochgezogen und die Besucher mit Wasserbomben beworfen“, schmunzelt Alex, der zu ernsthafte Gärtner-Fragen noch immer mit einem leichten Schalk in den Augen quittiert.

Alexander Durdin-Robertson ist auf den ersten Blick eher der ernste Typ. Nach dem Irak-Krieg hat sich der alte Veteran der britischen Armee ins Familienschloss Huntington Castle zurückgezogen. Dort ist der 39-Jährige Herr über 600 Schafe, 30 Aberdeen-Rinder, zehn Champion Trees mit Größen und Höhen, die auf den britischen Inseln ihresgleichen suchen, eine 120 Meter lange Allee 500 Jahre alter Eiben sowie über 100 000 Weihnachtsbäume zum Export nach Deutschland und Dackeldame Muffin. Bodenständig pflegt er alles selbst zusammen mit einem angestellten Gärtner. Wunderliche Verwandte habe er genug, sagt Alexander. Dabei hat er die Piratin Grace O’Malley aus dem 16. Jahrhundert ebenso im Sinn wie die erste Freimaurerin Irlands oder eine gewisse Elisabeth. Die spuke als Gespenst mit ihrem Schlüsselbund klimpernd noch immer durch die museal wirkenden Wohnräume. Als Witwe mit 14 Kindern hatte Elisabeth zu Lebzeiten das Anwesen alleine verwaltet. Nach ihrem Tod konnte sie davon nicht lassen und wischt angeblich noch immer die zahlreichen alten Möbel ab.