Kategorie: Nordamerika

Kanada: Die Stadt der Eisbären taut auf

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

„Für die Bären wird es enger“, glaubt Lorraine Brandson. Seit ihrer Ankunft 1973 verfolgt die Kuratorin im liebevoll gepflegten Itsanitaq-Museum die Entwicklung. Seither haben sich Weiden, Elche und Rotfüchse in der Gegend breit gemacht. Vor ihrer Hütte 17 Meilen vor der Stadt musste Lorraine früher viel mehr Schnee schaufeln. Stärkere Herbststürme aus einer anderen Windrichtung treiben ihn heute häufig davon. Vor allem aber friere das Meer später zu. Anfang der 1980er-Jahre gab es Eisbären-Touren bis zum 9. November, erinnert sich die Einheimische. Heute fahren die Crawler und Tundra Buggys bis zum 25. November. 2016 gingen die letzten Bären sogar erst am 6. Dezember aufs Eis. Brandson ist überzeugt: „Der Klimawandel bringt nicht nur Wärme. Er bringt vor allem Chaos“.

Viele Inuit glauben dennoch, es gebe heute mehr Eisbären als früher. Melissa Gibbons weiß es besser. Die Biologin der staatlichen Nationalparkbehörde hat ihr Büro im alten Bahnhof von Churchill Von hier aus organisiert sie den Schutz natürlicher Ressourcen im nahen Wapsuk Nationalpark. Sie sagt. „Dass man mehr Tiere sieht, heißt nur, dass sich mehr in der Nähe von Siedlungen aufhalten“. Die insgesamt fast vier Wochen längere eisfreie Zeit setze den Tieren zu. Konflikte mit Menschen seien damit wahrscheinlicher als früher.