Kategorie: Nordamerika

Kanada: Die Stadt der Eisbären taut auf

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Die Eisbären der westlichen Hudson Bay gelten als die am besten erforschte der 19 Unterpopulationen weltweit. Von 1987 bis 2004 ist ihre Zahl von 1194 auf 935 Tiere geschrumpft, zitiert Gibbons aus den einzigen belastbaren Daten, die es zur Bestandsentwicklung der Eisbären überhaupt gibt. Im Wapsuk Nationalpark kommt ein Großteil der Jungtiere um Weihnachten herum in unterirdischen Höhlen zur Welt. Doch auch wenn nur 150 Menschen im Jahr den Park besuchen, droht den Bären selbst hier durch den menschengemachten Klimawandel Gefahr. „Mit zunehmender Wärme im Sommer wächst das Risiko für Waldbrände. Die Wurzeln toter Bäume können die Geburtshöhlen im Schnee nicht mehr halten. Mütter und Kinder drohen im Schnee zu ersticken“, sagt Gibbons.

Im Seaport Hotel empfängt Besitzer Michael Spence zum Gespräch. Seit zwei Jahrzehnten ist der in Churchill geborene Hotelier Bürgermeister der Kommune. Auch Spence sorgt sich um die Zukunft. Im 17. Jahrhundert als Posten im Fellhandel entstanden, war Churchill vor 100 Jahren mit dem Bahnanschluss nach Winnipeg als Exporthafen für Kanadas Getreidegürtel wichtig geworden. Doch heute liegt der Hafen verwaist da. Schwere Überschwemmungen im Mai haben das Bahngleis auf dem zusehends auftauenden Permafrostboden an zwölf Stellen unterspült. Die Reparaturen werden Millionen kosten. Noch ist unklar, ob und wann die Strecke wieder befahrbar ist. Einige Familien haben den Ort schon verlassen. Für den Winter müssen Brennstoff und alles Nötige teuer eingeflogen werden. „Wir müssen das hinkriegen“, sagt Spence. Der Staat müsse Churchill helfen.