Kategorie: Nordamerika

Kanada: Die Stadt der Eisbären taut auf

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Mit den Eisbären haben sie sich im Ort hingegen arrangiert. In der Provinz ist die Jagd verboten, die Müllhalde in der Stadt in einem alten Hangar sicher verborgen. Und die vierköpfige Bären-Patrouille der Stadt sorgt rund um die Uhr für Sicherheit auf den Straßen. Neugierige Bären fangen die Männer ein und sperren sie vier Wochen lang in eine dunkle Quarantäne-Halle am Flughafen. Von einem „Eisbären-Gefängnis“ wollen sie vor Ort nichts hören. Da die Bären in dieser Zeit ohnehin meist schliefen, sei der Aufenthalt für sie keine Belastung. „Dort vergessen sie hoffentlich, was sie hier wollten“, sagt Spence. Anschließend bringt man die Tiere zurück in die Natur. Statt 15 Abschüssen im Jahr vorher werden mit dem Programm nur noch ein bis zwei Bären im Jahr aus Notwehr erschossen.

Auch Jud Jones hat immer ein Gewehr für den Fall der Fälle bei sich, wenn sie mit Gruppen zur Eisbären-Suche aufbricht. Zwei Tage später ist der Wind schneidig aufgefrischt. Das Thermometer zeigt -6 Grad. Draußen in der Tundra kündigt sich nun endlich der Winter an. Die Eisbären scheinen den Umschwung zu spüren. Immer wieder sichten die Besucher von der hohen Warte ihres Expeditionsgefährtes schwarze Nasen im gelben Fell. Auch eine Mutter mit ihren zwei Jungtieren aus dem letzten Dezember ist unterwegs zur Küste. Ein guter Tag für den Öko-Tourismus. Wie lange das Geschäft mit den Bären in Churchill noch läuft, ist indessen unsicher. Erste Anbieter setzen neuerdings zusätzlich auf Hundeschlittenfahrten in einem dreirädrigen Wagen, Nordlichter im Frühling und weiße Beluga-Wale vor der Küste im Sommer. Aber nichts geht doch über die Eisbären. Noch sind sie die Könige der Arktis.