Ahnenmasken aus Holz, Straußenfedern, Krokodilleder – alles feilgeboten von schwarzen Händlern mit wilden Gesten und großem Getöse. So stellt sich wohl den ersten Kontakt mit Afrika vor, wer aus dem beschaulichen Flughafen von Windhoek tritt. In Wirklichkeit beginnt ein afrikanisches Abenteuer in Nambias Hauptstadt vielleicht im Café Schneider in der schattigen Fußgängerzone. Schokoladentorte steht dort in der Kuchentheke und Schwarzwälderkirsch. Thüringer mit Sauerkraut oder Käsespätzle mit Salat vermerkt die Speisekarte in korrektem Deutsch. Vollends zum Kulturschock kommt es, als die schwarze Bedienung in weißer Servierschürze die englisch aufgegebene Bestellung im schönsten „Erkan & Stefan“-Slang quittiert: „Alles klar Mann!“
Namibia ist seit der Unabhängigkeit von Südafrika am 21. März 1990 ein selbstständiger Staat. Die 1,8 Millionen Einwohner legen viel Wert auf ihre Souveränität und bitten auch europäische Gäste schon einmal aufzustehen, wenn sie nach dem Abendessen die Nationalhymne singen. Trotzdem erinnert wohl nirgendwo sonst auf der Welt so viel an die kurzen kolonialen Abenteuer des deutschen Reiches wie im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika. Noch immer hat der riesige Staat – er ist etwa doppelt so groß wie die Bundesrepublik – seine seltsame Form mit dem fast 300 Kilometer langen Caprivi-Zipfel. Den nach dem deutschen Reichskanzler benannten Korridor handelte das Reich den Briten ab, als man zugleich Sansibar gegen Helgoland tauschte. Damit erhielten die Kolonialisten einen Zugang zum schiffbaren Sambesi.
Auch die Architektur in Windhoek, im legendären Lüderitz und vor allem in Swakopmund erinnert mit ihren wilhelminischen Elementen an Straßenzüge in Wilhelmshavens Südstadt. Vieles wurde in Berlin geplant und zu großen Teilen aus Deutschland verschifft, um etwas deutsche Gemütlichkeit in die karge Savanne zu zaubern. Wahrzeichen der 200 000-Seelen-Stadt Windhoek ist neben dem Tintenpalast, heute Sitz des Parlaments, noch immer die evangelische Christuskirche, die am 15. Oktober 1910 wie die Schwesterbauten in Tsing-Tau und Dar es Saalam für den Frieden geweiht wurde. Noch 2500 deutschstämmige Mitglieder habe die Gemeinde, erzählt ein alter Herr, der die Gesangsbücher ordentlich stapelt.