Kategorie: Leuchttürme, Europa, Asien, Nordamerika, Mittel- & Südamerika

Licht in Sicht

Von: Martin Wein

Die intensivsten Leuchtturm-Erlebnisse verbinde ich dagegen mit Orten, die weniger Bedeutung im kollektiven Gedächtnis genießen. Wenn im Castel del Morro im Südwesten Kubas mit einem Böllerschuss zum Sonnenuntergang die letzten Besucher verschwinden, wird etwa das nahe Leuchtfeuer zum symbolträchtigen Kontakt mit der Außenwelt. Viele Kubaner gäben viel dafür, würde eines der vorbeiziehenden Schiffe sie an Bord nehmen. Eine wüste Taxifahrt durch stockfinstere Nacht, in der meterhoher Staub im Scheinwerferlicht jede Sicht auf die kurvige Straße verhindert, ist der Preis für dieses Erlebnis.

Eine andere Insel kann noch heute als ungekrönte Heimat der Leuchttürme gelten: Neufundland. Dort ist das Wetter so schlecht, dass Leuchtfeuer an nahezu jeder Landspitze den Kabeljaufischern heimleuchteten. Dabei hatte Entdecker John Cabot, der 1497 als erster moderner Europäer Nordamerika erreichte, seinen ersten Landeplatz noch voller Vorfreude Bonavista getauft – gute Aussicht. Heute steht auf der Klippe ein ungewöhnlich geformter Leuchtturm im typischen Rot-Weiß. Fast zaghaft reckt sich dagegen das Granitgebäude von Rose Blanche auf einer Klippe im Süden der Insel in den Himmel, dort, wo einige Dörfer noch heute nur mit dem Küstenmotorboot erreichbar sind. Gebaut wurde es, als Bismarck in Versailles das Deutsche Reich schmiedete – 1871. Verwandte von Robert Louis Stevenson entwarfen die erste Laterne. Im Innern fanden wir alte Fotos, die vom Leben der Leuchtturmwärter erzählen. Viele Kinder hatten die, damit es hier draußen nicht so einsam war, erzählt die Studentin, die hier im Sommer jobbt und die es heute noch einsam findet. Gegen den dichten Nebel konnten die tapferen Leuchtturmfamilien aber auch mit ihrem Licht häufig nichts tun. Noch heute tutet deshalb das Nebelhorn im Winterhalbjahr durch die Einsamkeit und manche Fotos zeigen Wracks, die über die Jahre auf Grund liefen. Inzwischen ist aber auch die neue Zeit in Rose Blanche angekommen. Es gibt ein kleines Café – und der Leuchtturm hat sogar eine Internetseite. Die hat er seinem Pendant von Arngast in jedem Fall voraus.