Kategorie: Europa, Spanien, Mallorca

„Mallefix“ oder: Manche mögen’s heiser

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Von einem, der auszog, den Mythos Mallorca zu verstehen

Der „Bierkönig“ in El Arenal – Synonym für deutschen Massentourismus auf den Balearen.

„Willkommen auf Ihrer Insel“, flötet die Stewardess in der Charter-Maschine aus Deutschland nach der mit artigem Applaus bedachten Landung auf dem Flughafen von Palma de Mallorca. 3 800 000 Deutsche, also statistisch gesehen mehr als alle Einwohner Berlins, fanden allein im letzten Jahr ihren Weg auf die Insel. Und trotz gegenteiliger Unkenrufe waren auch in diesem Sommer, den islamischen Fundamentalisten in Ägypten sei dank, alle Hotels derart überbucht, dass Freunde in Drei- oder Vierbettzimmern zusammenzogen.

Als passionierter Globetrotter habe ich die Welt gesehen, am Yukon nach Goldsuchern gesucht, in Feuerland eine Adventskerze entzündet. Ich habe vor Bora Bora beim Baden Haie erschreckt und mit buddhistischen Priestern Buttertee getrunken und abgewartet. Um die Ghettos der Sonnenbrandfraktion machte ich stets einen Bogen. Doch jetzt war Schluss mit Abwarten, ich war neugierig und reif für die Insel – „unsere“ Insel – und buchte „Mallefix“.

Sonntag, 2. Oktober, früher Abend in S’Arenal, Inbegriff deutscher Urlaubsträume. Bedeckter Himmel, leerer Strand. Die Frisur sitzt. Vor dem legendären Strandkiosk „Balaneiro 6“ wischt eine Angestellte die Plastikstühle. Die freie Enzyklopädie Wikipedia hat mich vorab aufgeklärt: „Alle der insgesamt 15 fast baugleichen Strandlokale an der Platja de Palma bestehen aus einer Stahlbehausung von ca. 10 × 3 m Grundfläche“ – gut zu wissen – „und sind ausgestattet mit Theke, Zapfanlagen, Toiletten und Vorratsraum.“ Was da wohl drin ist? „Davor befindet sich eine mehr oder weniger deutlich abgegrenzte Terrasse mit Bestuhlung und Sonnenschirmen. Das Ganze wird von einer halb lichtdurchlässigen Stahlkonstruktion“ – das kann man im Vollrausch kaum noch aussprechen! – „lichtdurchlässigen Stahlkonstruktion zwischen zwei Lichtmasten überspannt, die tagsüber Schatten und nachts Licht spendet.“
Weil dem Bochumer oder Bottropski „Balaneiro“ nicht zuzumuten ist, sagt der einfach „Ballermann“.

Die deutsche und teilweise europäische Presse berichte bevorzugt über die „Szene“ am Ballermann 6 und den dort oft vollzogenen Genuss von deutschem Bier und spanischem Sangría aus Plastikeimern mit extralangen Strohhalmen, inklusive dessen Wirkung und Folgen, erklärt das Internet-Lexikon seriös.

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