Kategorie: Europa, Spanien, Mallorca

„Mallefix“ oder: Manche mögen’s heiser

Von: Martin Wein

Nachdem eine Ansage in fünf Sprachen zehn Minuten lang besondere Lichteffekte angekündigt hat, geht erstmal das Licht aus. Streicher gleiten in beleuchteten Ruderbooten stimmungsvoll aus der Dunkelheit heran. Das klassische Konzertchen dauert kaum zehn Minuten. Den Proleten in der Bank hinter uns geht das nicht schnell genug: „Boah, jetzt kommen die nochma’ hier lang geschippert“. Zum Schluss dreht ein Angestellter am Dimmer der Höhlenbeleuchtung für den besonderen Lichteffekt, und 500 Besucher können mit drei Bötchen für je acht Personen selbst über den See gleiten. Man darf alternativ auch laufen – Gnade des Schicksals.

Am Cap Formentor ganz im Norden ist es schön, richtig schön. Pittoresk, sagt der Reiseführer wie etwa auch zu Recht zum Panoramablick von der Burg von Capdepera oder über die Altstadt von Alcudia. Wer sich am Cap trotz Regen aus dem Wagen wagt, der erlebt am Nachmittag einen vollen Regenbogen über den Klippen. Nur für Reisebusse und Verkaterte ist die kurvige Straße nicht gemacht – und beide gibt es reichlich.

Dienstag, 5. Oktober, zur Mittagszeit. Wechsel von Sonne und Wolken, heiß und kalt. Die Haare sitzen auch im Salzwasser. Es herrscht Badebetrieb an der Cala Agulla, einem schönen Strand im Nordosten im Naturschutzgebiet. Der Strand ist breit, doch die Liegen sind kostenpflichtig. So rücken die Deutschen – auch hier die Mehrheit – dicht zusammen auf ihren Luftmatratzen. Kaum eine Handtuchbreite entfernt postieren sich Kölner Klüngelweiber. „Dat war escht ne Freschheit mit dat Schälschen Ajoli.“ Die Gute ist derart in Fahrt, dass sie am Abend erstmal Winterstiefel kaufen muss. Sagt sie jedenfalls. Versteh’s, wer will. Das Wasser immerhin ist warm und blau und die neongelbe Luftmatratze hält dicht wie ein echter Mafioso.