Kategorie: Europa, Spanien, Mallorca

Spanien: Mallorcas wahrer König

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Nicht Jürgen Drews ist der ungekrönte König von Mallorca, sondern Ludwig Salvator. Ohne den Habsburger Erzherzog hätte es den Tourismus-Boom vielleicht nie gegeben, aber auch nicht das Weltnaturerbe im Tramuntana-Gebirge.

Son Morraig – Inbegriff der Inselromantik in den Tramuntana-Bergen.

Bergspitzen im Küstennebel, steile Hänge mit knorrigen Steineichen, Pinien und Aleppokiefern dicht besetzt. Mitten darin und hoch über dem blau schäumenden Mittelmeer ein weißer Kasten mit großen Fenstern, den der Hollywood-Schauspieler Michael Douglas gerade für 50 Millionen Euro zum Kauf anbietet. Einsam wirkt dieses Landgut S’Estaca, fern aller politischen Hast, und dennoch erhaben. Einen ähnlichen Eindruck muss auch Ludwig Salvator haben, als er im Sommer 1867 an der Westküste Mallorcas vor Anker geht. Fernab des Wiener Hofs findet Österreichs Erzherzog und Prinz der Toskana im Tramuntana-Gebirge sein persönliches Paradies und weckt die Insel aus dem Dornröschen-Schlaf.

Dabei ist Mallorca an sich eine kleine Provokation. Statt sich in fescher Uniform eines K.u.K-Obersten am Wiener Hof herumzudrücken, wie man es von einem Erzherzog auf der Versorgungsliste von Kaiser Franz Josef I. erwartet, lässt der 20-Jährige sich 1867 für eine Sommerreise beurlauben. Nicht die großen Kulturstädte sucht er dabei auf wie andere junge Adelige. Ludwig Salvatorzieht es auf möglichst einsame Inseln. Helgoland kennt er schon. Nun also Mallorca, wo er an einem Sommerabend im August mit dem Postschiff in Palma ankommt, angeblich um zu baden, der schwächlichen Konstitution zuliebe. Ludwig hat schon einiges hinter sich: Die Eltern haben zehn Jahre zuvor ihr Herzogtum Toskana verloren und sich von Florenz auf das zugige Schloss Brandeis in Böhmen verkrochen. Ludwig, den sie am Hof den „dicken Luigi“ nennen, ist mit der dicken Habsburger Lippe gezeichnet und auch sonst offenbar so aufgedunsen, dass er einen Angestellten zu einem Porträt-Termin geschickt haben soll. Als Außenseiter kann er dem höfischen Gehabe nichts abgewinnen. Lieber spielt er mit seinem Schimpansen und vertreibt sich die Zeit mit dem einfachen Volk. Dazu lernt er 14 Sprachen.

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