Kategorie: Afrika

Marokko: Ales Fès in neuem Glanz

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Der US-Kongress investiert über seine Stiftung 700 Millionen US-Dollar in den Erhalt der historischen Königsstadt Fès. Das Projekt in Marokko soll Pilotcharakter haben und den Exodus der Einwohner bremsen.

Das Gerberviertel von Fés mit seinen Farbbottichen ist weltberühmt.

Abdelfattah Bougchouf hat es eilig. Ausnahmsweise gewährt der Chefkonservator der islamischen Kairaouine Universität Einblick in eine der wichtigsten Schriftensammlungen der arabischen Welt. Zum Mittagsgebet müssen die nicht-muslimischen Besucher wieder verschwunden sein. „Kommen Sie schnell hinauf“, ruft er deshalb und spurtet durch dunkle Gänge und über steile Stiegen. In einem stickigen Archivraum unter dem Dach legt er dann einen Folianten nach dem anderen auf den mit Filz bespannten Tisch. Seit dem Jahr 860 werden hier in der Altstadt von Fès im Nordosten Marokkos Studenten ausgebildet und Studien nicht nur in Theologie und islamischem Recht betrieben. Viele Regalmeter mit über 7000 Handschriften bezeugen dies. Sogar Originale mit der Unterschrift des Universalgenies Ibn Khaldoun (1332 – 1406) sind darunter. Päpste kamen zu seiner Zeit nach Fès, um hier zu lernen.

Auch wenn die Universität Normalbesuchern nur einen Blick von einer Aussichtsterrasse gewährt, gibt es in Fès el Bali – der umliegenden Altstadt – viel zu entdecken. Die Medina, seit 1978 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, gilt als die größte der arabischen Welt. Und 600 Jahre nach Ibn Khaldoun und der glanzvollen Dynastie der Meriniden erstrahlt sie nun in völlig neuem Glanz. Nach einer Anschubfinanzierung der Weltbank hat die Millennium Challenge Corporation, eine Stiftung des US-Kongresses, 700 Millionen US-Dollar bereitgestellt, um die Lehmhäuser, Koranschulen, Karawansereien und Badehäuser zu sanieren und touristisch zu erschließen. Die aktuelle islamkritische US-Regierung mit ihrem Schlachtruf „America first“ hatte auf das Großprojekt keinen Einfluss. Die ersten kernsanierten Gebäude oder Neubauten sind schon bezogen.

Dabei haben der Architekt Fouad Serrhini als Direktor der staatlichen Entwicklungsagentur für Fès und seine Mitarbeiter eine Herkules-Aufgabe zu meistern. 3666 der 11 000 historisch wertvollen Gebäude stuften sie als akut einsturzgefährdet ein. Der Sebou-Fluss war biologisch tot, die Gassen ungepflegt und nicht beschildert. Und das berühmte Gerberviertel mit seinen bunten Betonbottichen ist natürlich auch eine ziemliche Umweltsauerei.