Kategorie: Afrika

Marokko: Ales Fès in neuem Glanz

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Inzwischen ist hinter dem berühmten Stadttor Bab Boujeloud viel geschehen. 2160 Häuser wurden gesichert oder saniert, die hässlichen Metallgitter vor den Ladengeschäften durch Holztore ersetzt, Gassen gepflastert, die unter einer dicken Betonplatte versiegelten Ufer des Sebou wieder freigelegt und eine Kläranlage gebaut. Monumente wie die Medrese Inania mit ihren prächtigen Kacheln und Intarsien aus dem 14. Jahrhundert wurden restauriert und für Besucher geöffnet. Das Gebäude der Banc al Maghreb von 1924 soll zum Geldmuseum werden.

In die Innenhöfe verschiedener, teils über 600 Jahre alter Karawansereien haben Spezialhandwerker auf mehreren Etagen neue, kunstvoll geschnitzte Geländer aus Zedernholz eingezogen. Um das viele Holz zu schützen, wurden im Hintergrund Rauchmelder und Löschwasseranschlüsse gelegt. Die Schweizer Feuerwehr schulte Feuerwärter für jedes Gebäude. Ein Beispiel ist das Funduk Chemmaine, der alte Kerzenmarkt. Kunsthandwerker, teils als Frauen-Kooperative mit eigenem Kindergarten organisiert, füllen die Ladennischen mit ihren traditionellen Pantoffeln, mit Stoffen, Gürteln und Keramik mit neuem Leben. „Wir wollen das Kunsthandwerk mit der Fertigung vor Ort erlebbar machen und gleichzeitig den Zwischenhandel ausschalten, um die Profite der Handwerker zu erhöhen“, erklärt Serrhini.

Allerdings verschweigt der Architekt auch nicht, dass die bisherigen Ladenbesitzer vor der Sanierung ausziehen mussten. Sie wurden finanziell abgefunden und mussten sich neue Geschäftsräume suchen. Die bunte Mischung der Angebote verschwand damit. Obst- und Gewürzhändler, Metzger, Bäcker oder Trödler bieten nur außerhalb der sanierten Bereiche ihre Waren an. Dennoch wolle man aus der Medina kein Museum machen, beteuert Serrhini. Ganz im Gegenteil. Der Projektmanager ist sicher: „Nur wenn die 90 000 verbliebenen Einwohner hier Arbeit finden, von der sie leben können, dann können wir die Abwanderung in die Neubauviertel stoppen.“ Derzeit kehren noch 500 Menschen im Jahr der Medina den Rücken. Das Versprechen hindert Serrhini allerdings nicht daran, acht neue Busparkplätze vor den Stadttoren zu planen, eine App zur Besucherführung entwickeln zu lassen und langfristig über ein Eintrittsgeld für Touristen nachzudenken. Sogar von Großbildschirmen an Hausfassaden ist die Rede.