Kategorie: Mittel- & Südamerika

Martinique: Piraten, Rum und Sklaven

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Dann wurde Joséphine 1991 von einem Unbekannten der Kopf abgeschlagen und Gilbert Larose hatte einige Jahre später eine Idee. Ursprünglich wollte der Kreole auf einem Feldstück im Hinterland der Touristen-Hochburg Trois Ilets nur eine Hütte bauen, um am Waldrand süße kleine Bananen zu verkaufen, die heute das Hauptexportgut der Insel sind. Doch dann kamen immer mehr Besucher, schwadronierten von alten Zeiten. Irgendwann sah Gilbert sie vor sich, seine Urgroßeltern, wie sie noch auf den Zuckerfeldern schuften mussten, bis ihre Rücken krumm und ihre Füße zerschunden waren.

2004 eröffnete Larose seine „Savanne des Esclaves“ für die Öffentlichkeit. Auf einem brach liegenden Stück Land hat der zupackende Mann mit ein paar Freunden und Verwandten ein Freilichtmuseum geschaffen, das die Lebenswelt der Sklaven in Erinnerung ruft. Das Ensemble von Hütten wird von hölzernen Figuren bewohnt. Sie stehen für die 60 000 Schwarzafrikaner, die im 18. und 19. Jahrhundert praktisch rechtlos auf der Insel ausgebeutet wurden. Tafeln erklären, wie die Menschen mit Macheten zur Schweiß treibenden Ernte in die Felder zogen, wie sie sich mit 1,4 Quadratmetern Stoff im Jahr bekleiden mussten und wie sie auf alten Jutesäcken keinen Schlaf fanden. Larose ist selbst noch in einer solchen Hütte mit einem Dach aus Zuckerrohrblättern aufgewachsen mit seinen sieben Schwestern und zwei Brüdern.