Kategorie: Mittel- & Südamerika

Martinique: Piraten, Rum und Sklaven

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Erst nachdem der aufgeklärte Insulaner Viktor Schoelcher 1848 die Aufhebung der Sklaverei durchgesetzt hatte, ging es allmählich aufwärts. Ein zweites Dorf zeigt, wie die Leute kleine Gärten bestellten, Hühner züchteten und Heilkräuter sammelten. Neuerdings hat der umtriebige Chef des Privatmuseums auch noch ein Dorf der Cariben nachgebaut, die vor Ankunft der Weißen auf der Insel lebten. Musiker von der Nachbarinsel Dominica sollen es einmal in der Woche mit Leben füllen.

Vom Erfolg seines Projektes ist der 55-Jährige, der einst mit 15 Jahren ohne Abschluss von der Schule ging, ohne von der Sklavenzeit irgendetwas zu hören, selbst überrascht. „Anfangs haben mir viele abgeraten“, erzählt er. Von der Sklaverei hätten die Einheimischen nichts wissen wollen. Larose zeichnete deshalb ein Comic, um die Inselkinder aufzuklären. Heute präsentiert François Jock die Sklavensteppe Journalisten als Vorzeigeprojekt. Wenn an guten Tagen 400 Gäste teils in ganzen Busgruppen von den Kreuzfahrtschiffen auf der Buckelpiste zu seinem Parkplatz rollen, muss Gilbert Larose nunmehr den Neid mancher Nachbarn fürchten. Die werfen ausgerechnet dem Aufklärer vor, er würde aus dem schauerlichen Erbe Kapital schlagen.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass es auf Martinique, das sich heute friedliebend als Blumeninsel vermarktet, auch in der Vergangenheit nicht nur Sklavenhalter und Sklaven gab. Familie Dubuc etwa ging von ihrem Chateau an der Nordseite der Insel einem anderen Gewerbe nach. Mit Leuchtfeuern lockten die Dubucs fremde Schiffe an ihre Küste, wo diese an den Klippen zerschellten. Auch wenn zur Ruine verfallen lässt das einstige Chateau hoch über der See noch heute erahnen, wie einträglich das war.

 

Informationen:

 

Anreise: Air France fliegt über Paris Charles-de-Gaule in ca. 11 Stunden nach Fort de France (www.airfrance.de). Condor bietet im Winterhalbjahr (ab 12.9.) Direktflüge ab Frankfurt/Main (www.condor.com).