Kategorie: Afrika, Namibia

Namibia: Auf Schleichwegen zu den Leos

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Namibia gilt als Mietwagenparadies. Aber nur, wer bisweilen aussteigt und läuft, trifft auf Buchmänner, Diamantenschürfer und gut bewacht auf Leoparden.

Auf dem Gebiet von Okonjima sind Leoparden gut geschützt. Hier kann man sie auf Walking-Safaris besuchen.

Wie eine Wand schiebt sich der Hohenstein aus dem Gestrüpp der Trockensavanne. Mäßig interessiert lugt hier und da ein Giraffenkopf aus den Kronen der Kobas-Bäume hervor und riskiert eine dicke Lippe. „Fotos machen wir später“, sagt etwas in Eile Thomas Botka und brettert mit langer Staubfahne über die Pad. Das mache hier jeder so, hatte der Sohn deutscher Einwanderer zwei Stunden zuvor erklärt und war dann prompt in eine Radarkontrolle gerast.

Hier, mitten in der Einsamkeit der Erongoberge einen halben Tag nordwestlich der Hauptstadt Windhoek, muss Botka damit nicht mehr rechnen. Und das Ziel liegt im späten Nachmittagslicht schon vor Augen. Der Touristen-Chauffeur parkt an der Hohenstein Lodge mit zehn Bungalows und einem winzigen kühlen Pool in idyllischer Einsamkeit. Mit Wanderschuhen und Stöcken geht es in schnellem Schritt bergauf. Der Hohenstein ist in Wahrheit der mächtigste Überrest einer gewaltigen Vulkanruine, die seit 170 Millionen Jahren von Wind und Wetter abgeschliffen wird.

Doch an seinen bis zu 2319 Meter hohen Flanken verbergen sich noch immer kleine Schätze. Man muss sie nur finden. Nach einer Stunde Weg zwängt sich der Pfad in eine enge Schlucht. Sie ist mit abgeschliffenen Geröllbrocken möbliert. Dazwischen wirft hier und da ein Spokiesboom mit seinem überproportional dicken Stamm und wenigen Blättern groteske Schatten auf den Granit. Vor einer geräumigen Felshöhle wartet Herbert mit seiner Hilti. Zusammen mit zehn Kollegen und ein paar struppigen Hunden hat der junge Mann hier sein Lager aufgeschlagen.

Herbert und die anderen sind auf eigene Rechnung als „small miners“ am Berg unterwegs. Mit der Schlagbohrmaschine und einem geübten Blick suchen sie nach Tumalin-Adern im Gestein, die zu größeren Edelsteintaschen führen könnten. Die Arbeit ist staubig und schweißtreibend. Oft müssen die Männer einer vielversprechenden Ader 40 Meter tief in den Berg folgen. Früher wurde hier noch von Hand gehackt und gemeißelt. Heute übernimmt die Schlagbohrmaschine mit Strom vom Dieselgenerator die schwerste Plackerei. Trotzdem ist die Arbeit in den engen Löchern bei wenig Sauerstoff oft lebensgefährlich. Um Kosten zu sparen, schießen die Männer magere Klippschliefer und bleiben oft wochenlang oben am Berg. Nur die Hunde warnen sie vor giftigen Schlangen.

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