Uns zieht es stattdessen wieder in gemütlichere Gebiete. Etwa nach Little Italy, das vom boomenden China Town inzwischen weitgehend verdrängt wird. Typisch für diese Gegend sind die bunten Feuertreppen an den roten Backsteinfassaden. Nach einem Großbrand hat die Stadtverwaltung für die früher überfüllten Gebäude Fluchtwege verbindlich vorgeschrieben. Auf der Straße verkaufen fliegende Händler frischen Ruola vom Leiterwagen. Vor den Souvenirshops hängen billige chinesische Lampions und billiges Plastikspielzeug. Ruth stapft zielsicher die Stufen eines unscheinbaren Geschäftes hinauf. Im verschwiegenen Halbdunkel reihen sich große Gläser mit eingelegten Schoten, Pflanzenstielen und Krabben für 350 Dollar das Kilo aneinander. „Fotografieren Sie schnell, die mögen nicht so viel Aufmerksamkeit.“
In einem edlen Delikatessengeschäft gibt es frisches Gemüse, Fleisch, Käse und Kuchen. Duft von frisch gemahlenem Bohnenkaffee zieht verführerisch durch die hohen Räume. Keine Plastikpackung verunziert das Bild unbedingter Frische. „Damit Sie nicht glauben, wir essen jeden Tag bei McDonald’s“, erklärt Ruth bestimmt. Nur die hohen Preise zwängen viele New Yorker zu Fastfood. Sie hat Recht: Für einen Cappucchino und ein Stück Erdbeer-Sahnetorte legt man fast zehn Dollar auf den Tresen.
Draußen dampft es aus den Gullydeckeln stilecht wie in vielen New-York-Filmen, die fast alle im nachgebauten Straßenzug der Paramount-Studios im fernen Hollywood entstehen. Will ein Regisseur dampfende Gullys, stellt das Studio für diese Sonderausstattung rund 1000 Dollar extra in Rechnung. Woher der echte Dampf eigentlich kommt, hat sich Ruth noch nie gefragt. Aber jetzt fragt sie kurzerhand einen Kanalarbeiter. New York werde überwiegend mit Fernwärme beheizt, erfährt sie. Die Leitungen der Edison Corporation gäben aus den Gullys ihren Überdruck ab. Einfach mal Dampf ablassen – keine schlechte Idee.