Kategorie: Europa

Niederlande: Der Kunst-Hafen

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Das Meer und das wohlhabende Hinterland der Rheinmündung haben Rotterdam in den letzten 150 Jahren zu seiner heutigen Größe wachsen lassen. Eine Hafenrundfahrt vorbei an den modernen Terminals für Gemüse und Südfrüchte und den endlos scheinenden Hafenbecken zeigt das Potenzial aus der Verbindung von Land und Wasser, das hier noch entwickelt werden kann. Dabei erscheinen die Hafenflächen nicht als verschenkter Raum, sondern als belebendes Element. Wendige Wassertaxis verbinden für wenig Geld auf Bestellung zahlreiche Anleger im Stadtgebiet.

Gleich in Nachbarschaft der Markthalle und des bunten Museumshafens lädt das Maritime Museum ein zu einer virtuellen Seereise. Mit Schutzhelm und gelber Warnweste steigen Besucher u. a. auf die Plattform einer Bohrinsel in der Nordsee. An verschiedenen Stationen müssen Container bei Seegang verladen, Brandschutz geübt und nautische Fachbegriffe entziffert werden. Nur wer sich anständig schlägt, schafft das Trainee-Programm.

Geruhsamer zu geht es auf der SS Rotterdam, die 2008 im neuen Hip-Viertel Katendrecht gegenüber dem bekannten Fernsehturm Euromast festgemacht hat. Von 1958 bis 1971 war der Dampfer wöchentlich im Liniendienst nach New York unterwegs, danach als Kreuzfahrtschiff im Einsatz. Jetzt dient er als Hotelschiff mit großzügiger Sonnenterrasse in historischem Dekor. In den 254 Kabinen, die mit ihren Bullaugen noch viel mehr an ein Schiff erinnern als diejenigen heutiger Kreuzfahrtschiffe, lässt sich von fernen Küsten träumen und an der Bar spielt der Pianist „La Paloma“.

Am nächsten Morgen hat man die Wahl: Entweder lockt der mit 25 Hektar Fläche großzügisgst dimensionierte, 160 Jahre alte Diergaarde Blijdorp, der Rotterdamer Zoo, zur nachempfundenen Reise durch die Naturräume der Welt mit 618 Tierarten und unzähligen exotischen Pflanzen. Oder man nimmt ein Fahrrad oder schippert mit dem Ausflugsboot stromabwärts zu den UNESCO-geschützten Windmühlen von Kinderdijk. Hier lässt sich nachvollziehen, wie mit der Eindeichung und Entwässerung die niederländische Kulturlandschaft erst entstand. Ohne Deiche läge auch Rotterdam schon heute bis zu sechs Meter unter der Nulllinie.