Kategorie: Großbritannien, Europa

Nordirland: Bogenschießen in Winterfell

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Knapp 15 Jahre nach dem historischen Karfreitags-Abkommen von 1998 klirrten in Nordirland wieder die Waffen. Seit 2011 ist die Region ein Hauptschauplatz der Mittelalter-Serie „Game of Thrones“. Der Welterfolg brachte den vergessenen Teil der Insel nun zurück auf die Weltbühne.

Angriffslustige Krieger erwarten Besucher in Castle Ward, der ersten Kulisse für Burg Winterfell. Wer mag, der kann auch selbst zu Pfeil und Bogen greifen.

Genau hier sei es gewesen, in der dunklen Nische im Sandstein dahinten, sagt der junge Mann in hörbar indisch gefärbtem Englisch. „Hier hat die rote Priesterin Milisandre den Schatten geboren, der später Renley Baratheon ermordet hat.“ Zum Beweis holt der Mann sein Tablet aus der Umhängetasche. Auf dem Bildschirm entkleidet sich Sekunden später eine blasse Rothaarige im Fackelschein. „Sehen Sie, genau dieselbe Stelle – nur war es mitten in der Nacht.“

„Die Nacht ist dunkel und voller Schrecken“, pflegt die rote Priesterin Melisandre in solchen Augenblicken Mantra-artig ihren Anhängern vorzubeten. Eben will man trotzdem dem Inder, der sich als Navid aus Belfast vorstellt, erklären, dass Melisandre nur eine Figur in der US-amerikanischen Fantasy-Serie „Game of Thrones“ des Bezahlsenders HBO nach den Romanen von George R. R. Martin spielt. Doch dazu bleibt keine Zeit. Stattdessen zeigt Navid auf das, was man selbst für ein banales Absperrgitter am Ende der kleinen Sandsteinhöhle in den Klippen des nordirischen Dorfes Cushendum gehalten hatte. „Dieses Gitter hat den Figuren den Weg versperrt. Die Szenen wurden durch die Latten gefilmt“, sagt er mit Kennerblick.

Game of Thrones ist längst ein vielfach preisgekrönter Welterfolg. Auch wenn die verworrene Geschichte um den Kampf mehrerer Familien um den Eisernen Thron von Westeros als märchenhaft überhöhtes Mittelalter-Spektakel daherkommt, haben die Macher von Anfang an auf teils spektakuläre reale Schauplätze gesetzt. Die aufwendige Bildsprache brachte nicht nur der Serie eine wachsende Fangemeinde. Die Drehorte selbst wurden zu Pilgerstätten.

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