Kategorie: Australien, Fidschi-Inseln

Fiji: Nudelsuppe im Kannibalenland - Ein Dorfbesuch auf den Fidschi-Inseln

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Wo bitte geht’s nach Navala? Der Chief im Dorf mit der Fledermaushöhle räkelt sich auf der Matte aus Pandanusfasern. „Navala, das schafft ihr nicht, nicht mit diesem Auto, nicht ohne viel Kava“, sagt er auf Englisch - ein Erbe der britischen Kolonialzeit - und bietet uns an, auf seiner Holzveranda zu übernachten. Tropenregen rinnt vom Dach der Hütte. Südseeidylle mit Wellblechdach.

Dorfidylle für 15 Dollar Eintritt: Den kassieren die Bewohner von jedem Touristen. Davon werden jetzt Chemietoiletten gebaut.

Wäre es nicht so warm - man glaubte sich in Ostfriesland, irgendwo zwischen Horumersiel und Minsen im Februar. Schwarzbunte und Nebelschwaden hier wie da, 20 000 Kilometer voneinander entfernt.
Weitwinkel: Inmitten der Weiten des Pazifischen Ozeans liegt östlich von Neuguinea der Archipel des Fidschi-Inseln. Zoom: Die gebirgige Hauptinsel Viti Levu wird von einer 500 Kilometer langen Ringstraße, teils Schotterpiste, umrundet. Im Westen und Süden reihen sich Hotelresorts aneinander, im Norden kleine Dörfer und indisch geprägte Landstädtchen. Tele: Ein roter Kleinwagen, Marke Toyota, rollt auf diesem Rundkreis gen Norden, gen Rakiraki. „Mit etwas Geduld schafft ihr es bis Navala“, hatte die Frau des Chiefs im Dorf mit der Fledermaushöhle zum Abschied gezischt. Vier Stunden sollten wir kalkulieren „Senga na lenga - kein Problem. Die Leute werden euch helfen.“

Die Leute schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, zumindest in Rakiraki. „Was wollt ihr in Navala, bei diesen Menschenfressern?“, erregt sich eine Frau, die auf dem Markt hinter prächtigen Süßkartoffelknollen hockt. Sechs Stunden weit sei der Weg ins Inselinnere, ins letzte traditionelle Dorf ganz Fidschis, glaubt der Kava-Händler nebenan, der uns die getrockneten, gemahlenen Wurzel- und Stammstücke des Pfefferstrauches als obligatorisches und wertvolles Gastgeschenk abwiegt zu zehn Dollar oder fünf Euro das Pfund.

Weiße Wäsche für den großen Tag: Vorbereitungen für den ersten Besuch einer jungen Braut im Dorf ihrer Eltern. In Navala, einem Bergdorf auf der Fidschi-Insel Viti Levu ziehen die Bewohner ihre traditionellen Hütten modernen Wellblechhäusern vor. Auf der Weiterfahrt am Ortsausgang ein verwildertes Grab. „Udre Udre“ steht auf dem Stein, ein Name, der im 19. Jahrhundert bis in die feinen Salons Europas gemurmelt wurde. 980 Menschen soll der stolze Kannibale gegessen haben. Grünzeug rührte er angeblich nicht an, berichtete sein Sohn den Sensationsreportern von damals. Das Erbe der Kannibalen wird hochgehalten auf Fidschi. Das Museum in der Inselhauptstadt Suva widmet dem Thema eine ganze Abhandlung. An Udres Grab erscheinen vor dem geistigen Auge wieder die langen Gabeln aus Holz, die für Menschenfleisch reserviert waren. Nur wer sich lebendig begraben ließ, hatte einen Anspruch darauf, nicht gegessen zu werden, heißt es im Erklärungstext im Museum.

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