Kategorie: Australien, Fidschi-Inseln

Nudelsuppe im Kannibalenland - Ein Dorfbesuch auf den Fidschi-Inseln

Von: Martin Wein

Seit Menschengedenken stellen die Frauen von Navala ihre Gebrauchsgüter selbst her. Hier werden Pandanusblätter zerfasert. Navala liegt an der Biegung eines kleinen Flusses. An einen sanften Hügel schmiegen sich rund 100 Bures, die Hütten für 600 Menschen. Stromleitungen gibt es nicht, Autos nicht, Telefonzellen nicht. Und der Dieselgenerator für die zwei Fernseher im Dorf wird nur für große Rugbyspiele angeschaltet. Touristen kommen selten herauf nach Navala, Individualisten zumeist. Südseeromantik eben.

Südseeromantik, die 15 Dollar Eintritt kostet. Schließlich leben die Menschen hier zwar in den Bergen, aber nicht hinterm Mond. Von dem Geld bauen sie separate Hüttchen mit Chemietoiletten alles sehr idyllisch. „Euer Kava könnt ihr behalten, davon haben wir genug“, lächelt der Chief, den wir in seiner Häuptlingsbure unser Aufwartung machen, einem fensterlosen Raum mit Pandanusmatten und einigen Familienfotos in Schnörkelrahmen am Dachbalken. Wie zum Beweis tönt von draußen das rhythmische Stampfen eines Mörsers herein, in dem die Pfefferknollen pulverisiert werden. In Blättern oder einem Tuch als Filter wird mehrfach Wasser darüber gegossen. Der ockerbraune, brackige, aber leicht belebende Sud wird mit halbierten Kokosnussschalen aus einem Holztrog geschöpft, man klatscht dreimal in die Hände, trinkt in einem Zug und klatscht nochmals. Die Kava-Zeremonie - ein tägliches Gemeinschaftsritual. „Morgen erst recht beim großen Fest“, sagt der Chief. Eine Frau wird nach der Hochzeit erstmals mit Mann und Kindern das Dorf besuchen. Walzähne werden als Glücksbringer übergeben werden. Das ganze Dorf ist schon in Aufregung. Gemüse wird geschnitten, Ziegen und Kühe geschlachtet, Maggi-Suppenpulver aus den Vorratsbures geholt. Inmitten der Foto-Idylle haben die Bewohner ein riesiges Wellblechdach als Festlokal aufgestellt.

Abseits des Treibens steht die verschlossene Ritual-Bure, in der noch vor 50 Jahren animistische Kulte vollzogen wurden. Auch Menschenopfer? „Nein, damals wohl nicht mehr“, sagt Tui. „Aber Genaues weiß ich nicht, die Bure ist bis heute tabu. Nur wenige wissen, was drin ist.“