Kategorie: Europa

Österreich: Schneevergnügen auf Passhöhe

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Wenn mit dem fortschreitenden Klimawandel die Temperaturen steigen, werden immer weniger Orte einen sicheren Skibetrieb garantieren können. Selbst in Obertauern stehen schon Batterien von Schneekanonen an den Pisten bereit. Doch hier oben wird der Skizirkus noch sehr viel länger möglich sein als andernorts. Klimamodelle sagen für höhere Lagen sogar mehr Niederschläge voraus, weil mehr warme Luft an den Bergen aufsteigt und als Schnee niederfällt. Obertauern zählt damit vermutlich sogar zu den wenigen Profiteuren der Erwärmung.

Aber 2,64 Meter Schnee sind auch eine Herausforderung. Gottfried Gruber ist deshalb der Mann, der Obertauern erst möglich macht. Der Held des Alltags sitzt gleich am Ortseingang im Flachbau des Winterdienstes in Latzhose hinter seiner Kaffeetasse und winkt ab. Früher als die Römer über den Pass nach Salzburg zogen, da ging das fast nur im Sommer. Aber 2,64 Meter Schnee – das sei doch heute gar kein Problem. Irgendwann im November, wenn die ersten Schneefälle die kahlen Hänge und die Dorfstraßen weißen, fährt der Gruber die große Schneefräse aus der Garage. „Die hat 390 PS. Der macht das nix“, sagt er zufrieden und bietet auch gleich eine kleine Demonstration an. Mit mahlendem Motor schält sich die rotierende Stahlwalze auf dem Vorplatz ihren Weg durch den frisch gefallenen Schnee. Hinten fliegt alles als künstlicher Schneesturm in hohem Bogen wieder raus. Im echten Einsatz führt der Gruber hinten einen Anhänger mit, der alles einsammelt. Mit Lkw kutschieren sie die Schneemassen dann zwei Kilometer raus aus dem Dorf zu einem sicheren Abhang. 1000 bis 1500 Kubikmeter kommen an einem Einsatztag schon mal zusammen – und das fast sechs Monate lang bis Ende April. Nebenbei bleibt trotzdem noch Zeit, die Langlaufloipen rund ums Tal zu präparieren.