Kategorie: Europa

Österreich: Ruhe auf dem guten Berg

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Was hingegen Alexander Kleinegger am Dobratsch besonders fasziniert und ihm nebenbei seinen Arbeitsplatz einbrachte, ist eine stille Revolution in den Alpen. Eine Revolution, von der lange nicht alle sicher waren, ob sie sie gut finden sollten. Vor 15 Jahren war der Dobratsch mal wieder ein Tagesthema unten in Villach und den umliegenden Gemeinden. Damals machte der Bürgermeister der 60 000-Einwohner-Stadt etwas, was Bürgermeister in den Alpen eigentlich nie tun. Er machte das Skigebiet dicht. Schon im Jahr darauf wurden der Sessellift und die sechs Schlepplifte abmontiert. Und damit nicht genug: 7254 Hektar Land am und auf dem Berg wurden zum Naturpark erklärt – dem ersten in Kärnten. Kleinegger, der Gebirgsgeograph, arbeitet dort jetzt als stellvertretender Leiter und begleitet nebenher viele Gruppen auf den Berg.

Auch an diesem Samstag holt er seine Schneeschuhe, die Teleskopstöcke und den Rucksack mit der Schaufel und dem Funkempfänger für die Piepser aus dem Auto, die im Fall eines Lawinenabgangs Verschüttete lokalisieren. Zusammen mit den Gästen aus dem Flachland und Bergführerin Barbara Wiegele geht es durch den Wald bergwärts. 1,23 Meter zeigt die Schneesonde an. Die Äste der Kiefern am Hang biegen sich unter einer mächtigen Schneedecke, wie man sie fast nur noch von Weihnachtskarten kennt. „Nicht in die Mulden stapfen“, warnt Barbara Wiegele, „dort ist die Schneedecke besonders hoch.“ Da komme man selbst mit den breiten Schneeschuhen nicht mehr durch.