Kategorie: Europa

Österreich: Ruhe auf dem guten Berg

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Schneereiche Winter wie dieser sind im sonnenverwöhnten Kärnten inzwischen eine Seltenheit. Der Klimawandel macht sich hier südlich des Alpenhauptkammes deutlich bemerkbar. Das begann schon in den 1990er-Jahren. Im Winter 2001 / 2002 habe der Schnee nicht für einen einzigen Betriebstag der Lifte ausgereicht, erzählt Wiegele, „so richtig lief’s nicht mehr.“ 1965 hatte eine Aktiengesellschaft eine Mautstraße auf das Massiv gebaut bis zur Rosstratte auf 1600 Metern Höhe – 566 Meter unter dem Gipfel. In den 80er-Jahren brachten die Lifte von hier bis zu 100 Skilehrer und Hunderttausend Gäste auf die Pisten. „Viele von uns haben hier Skifahren gelernt“, sagt Wiegele. Eine emotionale Sache also.

Aber dann ging’s bergab. Die Gästezahlen sanken. Zu alt die Anlagen, zu unsicher die Abfahrten. Viele Gemeinden, eigentlich fast alle in den Alpen, investieren in einer solchen Lage Millionen in neue Lifte, in Schneekanonen. Auch grüne Hänge seien schön, sagen sie – und Kunstschnee gar nicht so übel.

Zu diesen Leuten gehörte damals auch Andrea Riedel. Die resolute Frau betreibt seit 1990 das Rosstrattenstüberl. Nach zwei Stunden Aufstieg kehren Alexander Kleinegger und Barbara Wiegele mit ihren Gästen dort ein. Die Berghütte steht auf dem letzten Parkplatz unterhalb des Gipfels. Hier serviert Riedel Rindssuppe mit Firttaten, Kärntner Fleischnudeln und frisch gebackene Buchteln. Lautstark und vehement sei sie für den Skibetrieb eingetreten, sagt sie nebenbei, denn mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes machte sie im Winter. „Den Naturpark hielt ich für eine Totgeburt.“ Vor allem der erste Sommer 2002 sei eine schwere Hängepartie gewesen.