Kategorie: Europa

Österreich: Ruhe auf dem guten Berg

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

15 Jahre später kann Riedel sich an diesem Samstagmittag gar nicht schnell genug um alle Gäste kümmern. Obgleich dichter Nebel die Hütte umwallt, sind Dutzende aus dem Tal gekommen. Auf Schneeschuhen stapfen sie die markierten Wanderwege hinauf oder auf Tourenskiern. Manche kommen auch mit dem Auto über die geräumte Straße und packen oben den Schlitten oder die Langlaufskier aus. Einige wollen auch einfach mal richtig hohen Schnee sehen. „Der Berg verträgt gar nicht noch mehr Besucher“, sagt ausgerechnet die Hüttenwirtin, die im Sommer acht Mitarbeiter beschäftigt. Da solle man überlegen, ob nicht mehr Shuttlebusse statt Autos die Besucherströme besser kanalisieren würden. „Viele Besucher schätzen die Ruhe mehr als den Trubel“, sagt Riedel. Und wenn der Schnee fehlt, bleibt das grandiose Panorama – an klaren Tagen – und die Gämsen am frühen Morgen. Der Dobratsch – der gute Berg – macht seinem Namen alle Ehre.

Auch für Barbara Wiegele ist der Dobratsch ein Glücksfall. Zum Vollmond oder zum Sonnenuntergang führt sie gestresste Großstädter auf Schneeschuhen in die Stille der Wälder. Mit anderen sammelt sie Bergkräuter für Naturkosmetik oder Beeren, Pilze und essbare Blüten für die Outdoor-Küche. Schon mal Fichtensamen probiert? Die Natur habe jedenfalls erheblich profitiert, glaubt Kleinegger. Einige Bereiche wurden komplett geschlossen und könnten Luchs, Wolf und Bär als Rückzugsräume dienen, wenn sie aus dem Südosten zuwandern. Ein Jungbär wurde vor einiger Zeit schon beobachtet, wie er mitten in der Nacht durch Villach spazierte. Die Polizei eskortierte ihn zurück in die Natur. Im mediterranen Mikroklima der Schütt unterhalb der Roten Wand tummeln sich auf einer Wiese mit Illyrischen Gladiolen Ameisenbläuling, Apollo-Falter, Gottesanbeterin und der winzige Karpatenskorpion.