Kategorie: Mittel- & Südamerika

Peru: Out of Machu Pichu

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Das Bild der verlorenen Inka-Stadt im Regenwald ist zur Ikone geworden. Doch Peru hat ein viel reichhaltigeres historisches Erbe. Ein Streifzug zu den bekannten Höhepunkten.

Demetrio Limachi hat die Ra II für sich noch einmal in Kopie gebaut.

Ab fünf Uhr früh rumpeln Dutzende Pendelbusse im Dauerbetrieb die steilen Haarnadelkurven vom Talort Aguas Calientes im Tal des Urubamba-Flusses durch dichten Regenwald hinauf zum Eingang der Ausgrabung Machu Picchu. Nur noch geführte Touren sind dort erlaubt. Das soll den Andrang von täglich bis zu 2800 Gästen immerhin kanalisieren. Schon am frühen Vormittag haben sich die Ruinen der geheimnisvollen Inka-Stadt in den peruanischen Anden dennoch so stark gefüllt, dass sich an verschiedenen Treppen und Engstellen des vorgegebenen Weges Schlangen bilden. Wenn sich aber nach einem steilen Anstieg plötzlich der Blick auf den von Nebelfetzen umschleierten Bergsattel mit den Terrassen und Grundmauern von Machu Picchu öffnet, geht für viele Reisende dennoch ein Lebenstraum in Erfüllung.

„Machu Picchu ist sicherlich einer der schönsten Orte Südamerikas“, sagt die Kulturanthropologin Sabine Stangl-de Luna, die seit zwei Jahrzehnten für den Studienreiseveranstalter Studiosus mit Gruppen unterwegs ist. Aber das ikonenhafte Bild der Anlage, das sich fest ins kulturelle Gedächtnis der Welt gebrannt hat, täusche darüber hinweg, dass Besuchern hier nur das Ende einer langen Geschichte zu Füßen liege. Die Inka bauten Machu Picchu schließlich erst im 15. Jahrhundert, kurz bevor die spanischen Brüder Pizarro ihr Reich im Handstreich nahmen.

Wahre Meisterschaft entwickelte die südamerikanische Hochkultur andernorts. Ollantaytambo, Pisac, Q’enko, Tambomachay – an vielen Stellen im heiligen Tal bei Cusco und dem Herz des riesigen Inka-Reiches haben sich kolossale Anlagen erhalten. Stangl-de Luna, die gebürtig aus Ratingen stammt, zieht es höher hinauf in die Nähe der alten Reichshauptstadt, die heute den Namen Cusco trägt. Auf einem Felsvorsprung über der Stadt liegt der Platz des Falken, der sich sattgefressen hat: Sacsayhuaman. Die Aussicht auf den Talkessel von Cusco in 3400 Metern Höhe ist gewaltig. Gewaltig sind aber auch die künstlichen Plattformen, die die Inka-Herrscher hier zu Ehren ihres Sonnengottes Inti aufschichten ließen. Der größte Block hat ein geschätztes Gewicht von 144 Tonnen – bewegt von einer Kultur ohne Rad und Wagen. Doch noch imposanter: Die Inka bauten ihre Sakralbauten ohne Fugen und Mörtel und so passgenau, dass nicht ein Fingernagel zwischen die Riesenblöcke passt. Wie genau das ging, ist Archäologen bis heute ein Rätsel.

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