Kategorie: Mittel- & Südamerika

Peru: Out of Machu Pichu

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Unten in der Stadt – sie ist bis heute eine der prächtigsten des Kontinents – kann man dann besichtigen, wie die neuen Herren der Katholischen Kirche die Ureinwohner zu bekehren versuchten. Auf die Grundmauern des Sonnentempels Coricancha setzten Dominikaner ein barockes Kloster. Erst bei dem schweren Erdbeben 1950 traten die Ruinen wieder zutage. Aber in der Kathedrale zeigen großformatige Ölbilder auch, wie die Missionare sich anpassten. Gottes Sohn mit einem schmierigen Lendentuch am Kreuz. Das ging gar nicht in der Vorstellungswelt der Indios. Hier trägt Jesus deshalb einen wallenden Faltenrock in leuchtenden Farben mit Federschmuck. Und auf der Festtafel des letzten Abendmahls wird statt trockenem Brot ein gebratenes Meerschweinchen in Übergröße serviert. Die Nager gelten bis heute als – allerdings magere – Delikatesse.

Die Blütezeit des Inka-Reiches begann indessen erst um 1300 und dauerte läppische 200 Jahre. Ihre Fähigkeiten hatten sie von anderen. Chavin, Nazca, Mocche, Paracas, Wari – die Wurzeln der Vorläuferkulturen reichen bis vor unsere Zeitrechnung zurück und sind in Europa fast völlig unbekannt. Der Bonner Archäologe Markus Reindel von der in Bad Godesberg ansässigen Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK) und sein peruanischer Kollege Johnny Isla Cuadrado bringen seit 20 Jahren Licht in die Aktivitäten der Nazca-Leute. Die hatten sich von 200 vor bis 600 nach Christus in den Flussoasen des Rio Grande mitten in der Küstenwüste zu einer florierenden Ackerbaukultur entwickelt und nebenbei riesige Figuren in die Geröllwüste ringsum gescharrt. Einige davon wie Hände und Baum kann man von Aussichtstürmen bei Nazca und Palpa bestaunen. „Wie viele es gibt, wissen wir nicht“, sagt Johnny Isla abends bei einem gemeinsamen Essen in der kleinen Wüstenstadt. Erst letzte Woche habe er auf Aufnahmen von Google Maps wieder 24 neue Bilder entdeckt, nachdem ein Farmer ihn auf ein unbekanntes Bild hingewiesen habe.