Kategorie: Mittel- & Südamerika

Peru: Out of Machu Pichu

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Etwas mehr als 1000 Kilometer weiter östlich am gewaltigen Titicacasee, den sich Peru und Bolivien mitten im Altiplano teilen, erzählt der Fischer Demetrio Limachi eine ganz andere Geschichte. Wohl schon vor 2000 Jahren haben sich Menschen aus seinem Volk vor Streitigkeiten an Land auf künstliche Schilfinseln mitten im größten Hochgebirgssee der Welt geflüchtet. Diese Urus sind bis heute die größte Touristen-Attraktion der Region. Von Puno aus starten Tragflügelboote zu organisierten Hausbesuchen auf schwankendem Grund. Übrigens kein Ausflug mit Mitleidsmakel. Die Besuchten erhalten inzwischen eine Art Eintrittsgeld. Sie haben sich deshalb völlig freiwillig für das Leben im See entschieden, wo es inzwischen auch eine Schule und eine Krankenstation gibt. Nur die Verseuchung des Sees mit ungeklärten Abwässern aus Puno ist ein Riesenproblem – und dass die Kinder erst in der Schule schwimmen lernen. Immer wieder kommt es zu Unfällen.

Die Bautechnik der Seebewohner hat vor einem halben Jahrhundert den Abenteurer Thor Heyerdahl auf den Plan gerufen. Der wollte im Selbstversuch nachweisen, dass auch frühe Kulturen über die großen Ozeane hinweg Kontakt gehabt haben könnten. Mit seinem Balsa-Floß Kon-Tiki war er 1947 von Südamerika nach Polynesien gesegelt. Später versuchte er dann mit seinem Papyrus-Boot Ra die Atlantik-Überquerung. Das Experiment endete kläglich. Mitten auf dem Ozean begann das von afrikanischen Bootsbauern geflochtene Boot, sich in seine Bestandteile aufzulösen.

Erst Limachi, den Heyerdahl mit einem Wettbewerb am Titicacasee entdeckte, verhalf dem Norweger zu dessen größtem Erfolg. Zusammen mit seinen Brüdern Josè, Juan und Paolino baute er aus Schilf die Ra II für ihre 56 Tage lange Seereise von Marokko über den Atlantik. Die Ankunft der Crew am 12. Juli 1970 auf Barbados war ein Weltereignis.