Kategorie: Mittel- & Südamerika

Peru: Unter Tölpeln

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Die drei Ballestas-Inseln vor der Küste Perus sind eine günstige Alternative zu Galapagos – und genauso belebt.

Die Ballestas-Inseln vor der Küste Perus sind bei Seevögeln begehrte Brutplätze. Hier wird bis heute Guano abgebaut.

Alfred Hitchcock hätte seinen Spaß: In rasantem Flug kurven Dutzende schwarz-weiße Guanotölpel im aufgefrischten Wind über dem offenen schwankenden Boot. Am vollständig pflanzenlosen Ufer der nördlichen Ballestas-Insel reckt neben den gewagt verankerten alten Verladeanlagen für Guanosäcke eine Bande zerzaust aussehender Chilepelikane die Hälse, als warteten sie auf einen Schiffbruch. Tausende Möwen und Kormorane pflegen lautstarke Konversation. Und von der Felskante kommt ein Pärchen Humboldt-Pinguine eilig den Steilhang hinab gewatschelt.

Ein Besuch auf den drei Ballestas-Inseln vor der Küste Zentral-Perus ist wie eine Live-Vorstellung des Horror-Klassikers „Die Vögel“ – aber bis auf gelegentliche Zufallstreffer von oben völlig ungefährlich. Für Naturfreunde ist der zweistündige Abstecher per Motorboot Pflichtprogramm und mit Kosten von rund 30 US-Dollar eine günstige Alternative zum weitaus abgelegeneren Galapagos-Archipel weiter nördlich.

Die Voraussetzungen für einen solchen Ausflug sind wieder günstig. Die nahegelegene Distrikthauptstadt Paracas hat sich sichtlich von dem schweren Erdbeben mit dem anschließenden Tsunami erholt, der 2007 die Küste heimgesucht hatte. Weitläufige Hotelanlagen sind neu entstanden, die vor allem im südlichen Sommer zwischen Dezember und April Urlauber anziehen. Das Meer bleibt dank des kühlen Humboldtstroms selbst im Sommer zum Baden etwas frisch.

Eben diese nährstoffreiche Meeresströmung, verbunden mit häufigem Küstennebel, aber liefert das Futter für 300 Algen- und 180 Fischarten, von denen wiederum sich Millionen Seevögel, Mähnenrobben und Delphine ernähren. Auf den drei schroffen Felsbrocken vor der Küste finden sie sichere Nistplätze, denn außer einigen Guano-Arbeitern darf dort niemand anlanden.

„Aber auch von See aus ist es ein Spektakel“, verspricht der Geologe Diego Roce Pena, der seit Jahren Exkursionen mit Touristengruppen unternimmt. Diego drängt zur Eile, denn schon am späten Vormittag ist die See vor Paracas oft so bewegt, dass die schnittigen Speedboote den Fischereihafen San Andres nicht mehr verlassen dürfen. Sicherheitshalber sollte man den ersten Trip des Tages morgens um 8 Uhr buchen. Ein Stopp gilt nach 15 Minuten dem eigenartigen Zeichen eines Kandelabers, das wohl spanische Seefahrer im 16. Jahrhundert auf einer Länge von 154 Metern als Wegmarke in einen schrägen Felshang der Paracas-Halbinsel gegraben haben. Dann geht es 30 Minuten mit hohem Tempo übers offene Meer.