Kategorie: Griechenland, Europa

Ruinen von Atlantis?

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Auf der griechischen Insel Thera (Santorin) versank vor 3600 Jahren eine blühende Hochkultur im Inferno einer gigantischen Vulkan-Eruption. Manche Forscher glauben: Hier war das rätselhafte Atlantis.

Unter einer Lage aus weichem Bims blieben die Ruinen von Akrotiri, hier das Westhaus, 3500 Jahre lang erhalten. Doch schon eine Böe gefährdet die Lehmbauten. Ein Dach schützt sie heute Sturm und Regen.

„Indem aber in späterer Zeit gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen eintraten, versank, indem nur ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht hereinbrach, eure Heeresmacht insgesamt und mit einem Male unter die Erde, und in gleicher Weise wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen.“ So hat der Philosoph Platon in seinen Dialogen „Kritias“ und „Timaios“ niedergeschrieben, was ägyptische Priester dem athenischen Staatslenker Solon über das Ende des sagenhaften Inselstaates erzählt hatten. Seit Menschengedenken streiten Gelehrte über die Echtheit der Platonischen Überlieferung. Schildert der Philosoph den Athener Bürgern nur einen idealen Staat, oder haben seine faktenreichen Dialoge einen harten Kern?

Das Jahr 1967 wurde zu einem Schlüsseldatum für die europäische Archäologie. Damals begann Professor Spyridon Marinatos bei dem unscheinbaren Dorf Akrotiri auf der griechischen Insel Thera, heute Santorin, mit systematischen Grabungen. Dass sich hier eine bronzezeitliche Siedlung befand, war bereits seit dem letzten Jahrhundert bekannt. Doch Marinatos’ Entdeckungen übertrafen alle Erwartungen. Unter meterdicken Schichten aus Bimsstein und Schlacke kamen bis zu dreistöckige Häuser, Straßen und Plätze zum Vorschein. Unter den Straßen fand man Abwasserleitungen. In den Häusern wurden tönerne Amphoren und andere Gefäße entdeckt. Spektakulär aber waren die Fresken, beredtes Zeugnis einer vergessenen Kultur. Heimkehrende Schiffe inmitten einer blühende Insellandschaft mit Fluss, Bergen und Meer, zwei Städten, einem sicheren Hafen und Menschen, die die Wiederkehr der Seeleute beobachten, zeigt etwa das “Schiffsfries”, das im Westhaus die Jahrhunderte überdauerte. Auch Tiere, Pflanzen, Fischer und Blumen pflückende Frauen wurde dargestellt. Wegen dieser Malerei gilt Akrotiri heute unbestritten als die bedeutendste Grabung auf dem Kontinent, vergleichbar allenfalls mit Pompeji. Die Fresken sind längst in Sicherheit gebracht, ruhen bomben- und erdbebensicher im Nationalmuseum von Athen.

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