Kategorie: Griechenland, Europa

Ruinen von Atlantis?

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Dabei war es gerade ein Erdbeben, das diesen Jahrhundertfund ermöglichte. Als in Ägypten das Mittlere Reich in den letzten Zügen lag, im Jahr 1628 v. Chr. oder kurz danach, wurde das blühende Gemeinwesen von einer Naturkatastrophe undenkbaren Ausmaßes vernichtet. Das ergaben neuere, dendrochronologische Untersuchungen, bei denen Holzreste anhand ihrer Jahresringe datiert werden.

 


Zuerst rumorte es tief im Untergrund. Die Spuren des Erdbebens sind den Gebäuden noch heute anzusehen. Doch nicht nur die Gemäuer waren verschüttert, offenbar auch der Glaube der Bewohner in den guten Wille der Götter. Sie packten Hab und Gut zusammen und zogen davon. Spuren eines Wiederaufbaus sind rar, obwohl es Zeit dazu gab: Auf den Mauern begann schon Gras zu wachsen. Dann kam der zweite Akt des Infernos. Mit einer Gewalt, die wohl noch den Ausbruch des Krakatau im Jahre 1883 übertraf, explodierte der Vulkan Thera und brach in sich zusammen. Nur die eine Hälfte der Insel blieb erhalten.

Viele hatten geglaubt, die Eruption habe das Ende der minoischen Kultur im 110 km südlich gelegenen Kreta besiegelt. Aber die brach nachweislich erst rund 100 Jahre später zusammen. Der moralische Schock des unerklärlichen Desasters setzte den Minoern freilich massiv zu, war vielleicht tiefere Ursache für ihren Untergang. Der Archäologe Marinatos brachte den mysteriösen Untergang von Atlantis mit dem realen Untergang von Thera in Verbindung. Er glaubte, die Ruinen von Akrotiri seien in Wahrheit diejenigen von Atlantis. Seine wissenschaftliche Besessenheit kostete Marinatos das Leben. 1974 kam er unter eine einstürzende Mauer zu Tode.