Dass hier eine Million Menschen gelebt haben sollen, erscheint bei diesem Anblick schlechterdings unmöglich. In einem kleinen Marmorbrunnen treiben rote, gelbe und violette Blütenblätter im leise plätschernden Wasserstrahl. Die Geranien an den weiß gekalkten Hauswänden scheinen vor Wuchstrieb ihre Töpfe beinahe zum Bersten zu bringen. Sattgrüne Weinranken beschatten die Ecken des Patios vor der brennend heißen Sonne Andalusiens, wenn die verträumte Provinzhauptstadt Cordoba alljährlich Anfang Mai zur Pilgerstätte spanischer Gartenfreunde wird. Für zehn Tage im Jahr öffnen die Cordobresen beim „Festival de los Patios“ einige der berühmten Innenhöfe im freundschaftlichen Wettstreit für Besucher, bevor die gnadenlose Sommersonne alles darin verdörrt. In diesem Jahr sind es rund 50 private und 18 öffentliche Gartenhöfe in der verwinkelten Altstadt, die zur Weihestätte werden für Gartenkunst und Kitsch.
Nicht nur die elegante Mezquita, einst eine der mächtigsten Moscheen der Welt, heute eine seltsame Mischung aus antikem Säulenwald und Barockkirche, erinnert an Cordobas glorreiche Vergangenheit. Auch die Patios sind ein Relikt jener Zeit, als die Stadt zunächst unter römischer Herrschaft zur pulsierenden Zentrale der Provinz Baetica aufstieg. Der Stoiker Lucius Annaeus Seneca, Lehrer und Opfer Kaiser Neros, war ihr größter Sohn. Noch heute steht seine Bronzefigur vor dem Stadttor.
Die 711 n. Chr. aus Damaskus vertriebene Omajaden-Dynastie übernahm nach der Vertreibung der Westgoten die Stadt. Die Mauren führten sie zu ungeahnter Blüte. Das darf man getrost wörtlich nehmen, denn arabische Gärten galten als Abbild des Paradieses. Die Chronisten bleiben wage, der Schleier der Jahrhunderte hat sich über vieles
