Kategorie: Europa

Schweden: Absteigen ist Ehrensache

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Die Schweden nämlich machen es sich bei aller Hektik selbst am liebsten angenehm. Sie haben sich sogar zehn Minuten Pause in der Stunde ins Arbeitsgesetzbuch geschrieben. Die komprimieren sie zu mehreren ausgedehnten Fikas – ein lustiger Silbentausch von Kafi (Kaffee-Pause) – am Tag. So wird natürlich auch ein Stadtbummel durch die geschäftige Hafenstadt Göteborg mit den 20 Brücken über die Stadtkanäle, der verlockenden Markthalle, der Fischbörse am Hafen, den gusseisernen Gewächshäusern am Stadtgraben und dem alten Stadtbezirk Haga mit seinen kleinen Geschäften für Holzschuhe, Schmuck und Mode immer wieder unterbrochen durch eine Kaffeepause mit einem süßen Teilchen. Bevorzugte Leckerei: Kanelbullar – Zimtschnecken. Die größten Schwedens mit dem Durchmesser eines Fußballs gibt es ofenfrisch im Café Husaren in der Haga Nygata 28.

Jetzt aber schnell aufs Rad. Die ersten 20 Kilometer geht es am Hafen mit den Fähr-Terminals und einem Kulturzentrum entlang. Ein Senior mit Fahrradhelm im weißen Trenchcoat fährt lässig voraus, eine Plastiktüte vom Discounter in der einen, das Handy in der anderen Hand. Weiter draußen liefert sich ein Mann im E-Rolli auf heißen Reifen feixend ein Wettrennen mit den Radfahrern.

Dann ist man endlich draußen am Meer, wo die Ostsee sachte an die Felsen schlägt, in der Ferne die Göteborger Schären. Nach 40 Kilometern kommt die nächste Stadt Kungsbacka, wo man mittags im Storgatan zusammen mit den Einheimischen in komplett weißem Interieur samt Kamin wie in einem Wohnzimmer luncht. WLAN, Softdrinks und Alkohol Fehlanzeige. Dafür gibt sauberes Wasser aus dem Hahn und auf dem Tisch ein Schild: „Follow us on Twitter“.