Kategorie: Spanien, Europa

Spanien: Beißender Spott und heißes Feuer

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Was im Rheinland der Karneval mit seinen Mottowagen ist, das sind in Valencia die Fallas. Das Wort stammt vom Verb abfackeln und hat darin auch seinen Ursprung. Jedes Jahr im Frühling vor dem Namenstag des Heiligen Joseph, dem Schutzpatron der Zimmerleute, räumten die Tischler der Stadt ihre Werkstätten auf und warfen in jedem Viertel die Holzreste auf einen großen Scheiterhaufen. Irgendwann im 18. Jahrhundert fingen sie an, daraus Figuren zu basteln und damit die Lokalprominenz oder die Nachbarn zu verschaukeln. Heute sind die Fallas von Valencia ein Freiluftmuseum greller, dreidimensionaler Karikaturen und ziehen jährlich Hunderttausende Besucher an. Rund 100 Künstler leben davon und buhlen mit ihren Ideen um den jährlichen Sieger-Titel. Kein Viertel lässt es sich nehmen, selbst auf den engsten Plätzen noch eine Falla aufzustellen – und eine kleine, harmlose für Kinder dazu. 760 sind es insgesamt in diesem Jahr, finanziert allein aus Mitgliedsbeiträgen der Fallas-Vereine, aus Spenden und Sponsoring – und seit 2017 ganz offiziell Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Blanca Martinez Mica kann sich ein Leben ohne die Fallas gar nicht vorstellen. Quasi von Geburt an ist die 22-Jährige in den Fallas-Verein Sueca Literate Azorin im Ruzafa-Viertel integriert, der den Namen zweier Kreuzungsstraßen trägt. „Wir planen und überlegen ein ganzes Jahr, was wir als nächstes bauen lassen“, erzählt sie schreiend gegen den Lärm in der vor Menschen überquellenden Straße. In diesem Jahr haben die 150 Mitglieder den Kampf der Hunnen gegen Rom als Motiv gewählt als Symbol für den aktuellen Weltenbrand. US-Präsident Donald Trump marschiert dabei als Kreuzritter durch die Lande und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Aber auch lokale Größen müssen sich einiges gefallen lassen. Selbst der Rüssel des riesigen Kriegselefanten muss in seiner Länge vor dem Gemächt des angeblich lüsternen städtischen Handelsrates kapitulieren. Kritik an den teilweise nicht eben jugendfreien Bildern gibt es nicht. Die Kleinen sind ohnehin mehr am Werfen von Böllern interessiert, die tagelang die Ohren der Valencianos und ihrer Gäste traktieren. „Wir machen das im Verein schon seit 1854“, sagt Blanca. Der Spaß ist ihr die 50 Euro Jahresgebühr locker wert. Nachwuchssorgen wie deutsche Karnevalsvereine kennen die Fallas nicht.