Kategorie: Spanien, Europa

Spanien: Beißender Spott und heißes Feuer

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Wie originell oder geistreich die Bilder auch sind: Nachdem die Valencianos in einer achtstündigen Prozession in den alten Trachten der Handwerkszünfte der Heiligen Jungfrau zum Dank für die Aufträge des Vorjahres einen Strauß weißer Nelken überbracht und tägliche Feuerwerke in Bürgerkriegs-Lautstärke und mit einer gewaltigen Rauchwolke zur Mittagsstunde vor dem Rathaus das heiße Ende bereits angekündigt haben, beginnt am Abend des zwölften Tages das finale Abfackeln. 2000 Feuerwehrleute im Dauereinsatz sind nötig, damit bei dieser Cremá nicht die halbe Stadt in Flammen aufgeht. Die Hausfassaden in Windrichtung der Feuer sind mit schweren Planen gegen Funkenflug verhängt. Aus schweren C-Rohren werden sie mit Wasser gekühlt. Noch nie sei aber ernsthaft etwas passiert, versichern Einheimische.

Nach und nach zünden die Vereine innerhalb von zwei Stunden sämtliche Fallas an. Sorgsam platzierte Böller, Raketen und Feuerwerkskörper sorgen für zusätzliche Effekte. Die Luft über Valencia ist nach kurzer Zeit erhellt vom Schein der Feuer und voller Funken. Nur eine Figur der siegreichen Falla entgeht dem Inferno und kommt für alle Zeiten ins eigene Fallas-Museum. Kurz vor ein Uhr steigt Manolo Garcia aus dem Fahrstuhl auf das Dach des Rathauses. Zusammen mit den Kamerateams der großen Fernsehsender hat der Kunsttischler heute einen Ehrenplatz ergattert. Pünktlich zur ersten Stunde hüllen bengalische Feuer, Leuchtraketen und Silberregen auch seinen Problem-Turm in ein gespenstisches Licht. Archaisch, ungebändigt und ein wenig reumütig geht das Kunstwerk aus Holz und Kunstharz als letztes in Flammen auf. Die wilde Ausgelassenheit der vergangenen Tage, die mit Paraden, Feuerwerken und langen Nächten an riesigen Paella-Pfannen kein Ende zu finden schien, ist einer reinigenden Starre gewichen. Gebannt schauen Zehntausende zu, wie aus dem beißenden Spott ein Häuflein Asche wird. Und nur Stunden später beginnt der Montagmorgen im picobello leergefegten Valencia, als habe niemand auch nur einen Witz gerissen.