Kategorie: Europa

Spanien: Kreatives im Schatten der Kathedrale

Von: Martin Wein (Text + Foso)

Beschaulichkeit ist in Palma ein seltenes Gut. Bei einem winterlichen Bummel zeigen sich die Inselhauptstadt und ihre kreativen Bewohner von ihrer gemütlichen Seite.

Xisco Fuentes vor seinem Gemälde der Kathedrale von Palma

Xisco Fuentes weiß, was die Touristen lieben. Wer sein Galerie-Atelier in der Calle d’En Morei betritt, der läuft deshalb frontal vor ein riesiges impressionistisches Panorama. Es zeigt Palmas berühmte Kathedrale La Seu im warmen Morgenlicht. Auch einige andere Bilder fangen das Licht von Mallorca ein, das viele Künstler in der Vergangenheit immer wieder beschworen haben. Dabei hat Xisco Fuentes es vor allem auf seine Mitbewohner abgesehen: Den Mann in neongelber Warnweste, der ein Parkknöllchen verteilt. Den Fremdenführer mit weit ausladender Geste. Oder die Geschäftsfrau an einem Obststand. Und er malt seine Heimatstadt, wie sie Touristen selten sehen: Verlassene Industrieruinen, morsche Paläste mit fadenscheinigem Interieur, klappernde rostige Rollläden, Autowracks. Auf seinen Bildern entfaltet all das einen seltsam entrückten Glanz.

Ein Spaziergang während der winterlichen Nachsaison durch das immer noch frühlingshaft temperierte Palma lässt ohnehin Raum für erstaunliche Sichtweisen. Vergessen sind die 13 Millionen Badeurlauber, die von April bis Oktober die Insel heimsuchen, die Besitzer der wohl 6000 Jachten in Palmas Marina und die Passagiere der 567 Kreuzfahrtschiffe allein im Jahr 2018. Wer jetzt von der Plaça Espania aus durch das Gassenlabyrinth hinter der Kathedrale schlendert, der hat Gelegenheit zu intimen Begegnungen. Und ist historisch in guter Gesellschaft. Schließlich suchten Adelige und Künstler wie Frederick Chopin und George Sand die Insel schon früher bevorzugt im milden Winter auf.

Im Carrer Concepcio 17 verkauft Maria Hernandez traditionelle Patatera-Stiefel, wie sie früher die Kartoffelbauern trugen. Auch bunte Schlappen mit leichter geflochtener Sohle sind im Angebot. Altes Handwerk, das seit einigen Jahren neue urbane Kundschaft findet. Michelle Obama und Königen Sophia von Spanien gehören auch dazu.