In der alten Wäschekammer gibt es Kopfhörer. Der Blick fällt auf die Duschen, die einzigen warmen in einem US-Knast. Die Insassen sollten sich nicht an kaltes Wasser gewöhnen. Man wollte ihnen so die Flucht erschweren. Das Gerücht mit den Haien tat ein Übriges. Dabei gibt es nur harmlose Katzenhaie in der Bay.
Unterhalten durch ein exzellentes Audio-Programm schreiten wir wie die Neuankömmlinge damals den „Broadway“ ab, die innere Zentralachse. 1,52 mal 2,74 Meter misst jede Zelle. Bett, Stuhl, Waschbecken sind darin, auch ein Radio mit zwei Sendern. Nach vorne ist ein Gitter. Nur die Renitenten kamen in Isolierzellen mit Stahltür und ohne Tageslicht. Wer mag, kann es darin ausprobieren. Der Schließer steht bereit.
Moderne Einkaufszentren wie die Nordseepassage haben diese Alcatraz-Architektur übernommen für ein ungestörtes Shopping-Erlebnis ohne Ausweg. Im Shop auf Alcatraz gibt es für 15,96 Dollar vor allem jene Zinnbecher, mit denen die Insassen abends an den Gitterstäben entlang dengelten, um die Musikstunde zu torpedieren, in der jeder sein Instrument spielen durfte. Die vom Salzwasser morschen Wände sind noch heute voller Geschichten, von der Meuterei 1943 oder dem Ausbruch von Frank Morris und den Anglin-Brüdern, die 1962 mit einem Schlauchboot aus Regenmänteln das Weite suchten und weder tot noch lebendig gefunden wurden. Zum Ende des Abends lassen die Wärter einmal die Tür zuknallen und unheimlich hallt es durch die zugigen Fluchten – ein Nachhall finsterer Zeiten.