Kategorie: Kenia, Afrika

Umoja – das Dorf der Samburu-Frauen

Von: Martin Wein

15 mutige Frauen in Kenias Norden wehrten sich gegen die Gewalt ihrer Männer und ausländischer Truppen. Ihr eigenes Hüttendorf ist inzwischen ein weltweites Vorbild für praktische Selbsthilfe.

Die Frauen von Umoja tanzen gelegentlich für Fremde. Mit deren Geld bezahlen sie den Kindergarten und das Mittagessen für die Schulkinder.

Ein dichter Verhau aus Palmstrünken und Akazienästen mit langen Dornen erhebt sich aus der Trockensteppe in Kenias Norden. So schützen die Samburu sich und ihr Vieh traditionell gegen Löwenrudel und marodierende Elefanten, die gelegentlich aus dem nahe gelegenen Wildreservat am Uaso-Nyiro-Fluss vorbeischauen. Doch der Wall um das Dorf Umoja in der Nähe von Isiolo ist auch eine psychologische Grenze. Denn durch die enge Schlupftür dürfen nur Frauen und Kinder – abgesehen von eingeladenen westlichen Besuchern. So halten sie es nun seit 20 Jahren in Umoja und sind damit gut gefahren.

Wie die bekannten Massai im Süden ziehen auch viele der 170 000 Samburu noch traditionell als Nomaden mit ihrem Vieh durch das Hochland. Sie leben von Milch und Blut ihrer Kühe, Ziegen und Kamele, bauen Hütten aus Palmwedeln, Holz und Kuhdung und können vielfach weder lesen noch rechnen. Die Männer schützen das Vieh vor Raubtieren. Aus dieser Machtposition heraus sind Vielehen an der Tagesordnung. Männer betrachten ihre Frauen vielfach als Besitz, häusliche Gewalt als Normalfall. Die Beschneidung von Jungen und Mädchen gilt als wichtiger Ritus der Reife. Noch schlimmer allerdings: In den 1980er- und 1990er-Jahren ließen sich auch britische Soldaten in nahe gelegenen Trainingslagern von diesem Gesellschaftsbild anstecken. Rund 1400 Samburu-Frauen sollen sie vergewaltigt haben, schätzt der britische Menschenrechts-Anwalt Martin Day. Danach wurden sie von ihren Ehemännern oft in Schande verstoßen.

Doch Umoja zeigt, dass diese Vorstellungen auch in traditionellen Gesellschaften kein Naturgesetz sind. Heute leben hier rund 100 Frauen mit ihren Kindern, erzählt Mary. Sie ist eine von ihnen und antwortet als Sprecherin beredt auf alle Fragen. 1990 haben 15 Frauen angefangen, mit Kunsthandwerk selbst Geld zu verdienen. Doch ihr Erfolg rief Neider auf den Plan. So ließen sie die Männer zurück und zogen in ihr eigenes Dorf.