„Als nun Mose auf den Berg kam, bedeckte die Wolke den Berg, und die Herrlichkeit des Herrn ließ sich nieder auf dem Berg Sinai, und die Wolke bedeckte ihn sechs Tage; und am siebenten Tage erging der Ruf des Herrn an Mose aus der Wolke. Und die Herrlichkeit des Herrn war anzusehen wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges vor den Kindern Israel. Und Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg und blieb auf dem Berge vierzig Tage und vierzig Nächte.“
So steht es geschrieben im zweiten Buch Mose, Kapitel 24. Und so wird es gepredigt unter den Christen in allen Teilen der Welt. Und so zieht es Tausende von ihnen alljährlich mitten in die karge Gebirgswildnis des ägyptischen Zentralsinai auf den Djebel Musa, den Mosesberg.
Die Plejaden strahlen in der klaren Wüstenluft hoch oben am Firmament, als wir uns auf den Weg machen, dick eingepackt gegen lausige Minusgrade. 2.30 Uhr zeigt die Uhr im Schein der Taschenlampe, 1570 Meter über dem Meer der Höhenmesser.
Allein sind wir nicht: Stimmen murmeln vor und hinter uns auf dem Geröllweg, der sich in weiten Serpentinen an der Umfassungsmauer des Katharinenklosters entlang windet. In diesem ältesten bewohnten Konvent der Christenheit bewachen griechisch-orthodoxe Mönche seit 1700 Jahren den Brennenden Dornbusch, aus dem heraus Gott Moses den Auftrag zum Auszug aus Ägypten gegeben haben soll. Mit seiner einzigartigen Bibliothek ist St. Katharin noch heute ein Zentrum der Glaubenwelt. Vor normalen Gläubigen halten die wenigen Mönche sich und ihr Wissen indessen hinter 15 Meter hohen Mauern verborgen wie seit Jahrhunderten. Lediglich ein stiller Besuch der Kirche mit ihren alten Fresken ist gestattet.